Medizinwitz des Tages 18. August 2020

Die Covid-19-Pandemie ist die größte globale Bedrohung für die Gesundheit der Menschheit in diesem Jahrhundert, zu deren Lösung die globale wissenschaftliche Gemeinschaft auf nie da gewesene Weise zusammenarbeiten muss.

Inserm (F) und CARE am 18.08.2020

Durch die jährliche Anhebung der Rezeptgebühr in Österreich zahlen sich die Patienten immer mehr Medikamente selbst und es steigen damit auch die Erlöse der Sozialversicherung aus den Selbstbehalten.

Pharmig am 18.08.2020

Bei einem Schweizer Medikament zum Preis von 100 CHF gehen nur 68 an den Hersteller, die restlichen 32 CHF teilen sich der Handel, Ärzte, Apotheker und über die Mehrwertsteuer der Bund. Dennoch wird in der Schweiz mehr Geld für Alkohol und Tabak ausgegeben als für Medikamente.

Interpharma am 18.08.2020

Kandidatensubstanz

Boehringer Ingelheim RCV GmbH am 18.08.2020

ANMERKUNG: Für einen Medizinwitz des Tages müssen die genannten Fakten nicht unbedingt falsch sein. Es reicht schon, wenn aus Sicht der Frohmedizin die Richtung oder Konsequenz “absurd” ist …

Medizinwitz des Tages 16. Juli 2020

Die langjährig gleichbleibende deletäre Tabakepidemie (samt Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Lungenkrebs) fordert in Deutschland jährlich rund  120.000 vorzeitige Todesfälle.

Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner am 16.07.2020

2020 kommen in Deutschland erstmals auch Arzneimittel mit Packungspreisen jenseits der Millionengrenze auf den Markt. Die weltweit teuersten Medikamente sind derzeit “Zolgensma” zur Behandlung der Spinalen Muskelatrophie mit einem Preis von 1,945 Mio. € pro Packung und “Zynteglo” zur Behandlung einer seltenen Form von Blutarmut mit 1,575 Mio. €.

Wissenschaftliches Institut der AOK am 16.07.2020

Die Kosten der patentgeschützten Arzneimittel haben 2019 in Deutschland mit 21 Mrd. € erneut einen Höchststand erreicht. Damit kosten diese Medikamente fast die Hälfte der GKV-Arzneimittelkosten in Höhe von 44 Mrd. € auf diese Arzneimittel, die allerdings nur 6,5 % der Versorgung abdecken.

Wissenschaftliches Institut der AOK am 16.07.2020

Die Entwicklung hin zu immer teureren Patentarzneimitteln, mit denen aber immer weniger Patienten versorgt werden, ist besorgniserregend und geht auch mit konstant hohen Gewinnmargen der international operierenden Pharmakonzerne einher: Die Gewinnmargen der umsatzstärksten Pharmafirmen erreichten 2019 weltweit im Schnitt 24,7 %.

Wissenschaftliches Institut der AOK am 16.07.2020

2019 beliefen sich die gesamten Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland auf knapp 250 Mrd. €.

Wissenschaftliches Institut der AOK am 16.07.2020

Die 3 umsatzstärksten Arzneimittel 2019 in Deutschland waren die Blutverdünner “Eliquis” (840 Mio) von Bristol-Myers Squibb,  “Xarelto” (761 Mio. €) von Bayer Vital und das Anti-Rheumatikum “Humira” (697 Mio. €) von AbbVie Deutschland.

Wissenschaftliches Institut der AOK am 16.07.2020

Es ist zu kurz gesprungen, neue Arzneimittel als reine Kostenverursacher zu sehen.

Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie am 16.07.2020

Die Sozialversicherung der Selbständigen in Österreich unterstützt den vorgeschlagenen Weg der Ärztekammer und appelliert an die Bundesländer, die Sozialversicherungsdaten mit den Spitalsdaten zu verbinden, um so die Suche nach einem wirksamen Covid-19-Arzneimittel zu unterstützen.

Sozialversicherung der Selbständigen am 16.07.2020

ANMERKUNG: Für einen Medizinwitz des Tages müssen die genannten Fakten nicht unbedingt falsch sein. Es reicht schon, wenn aus Sicht der Frohmedizin die Richtung oder Konsequenz “absurd” ist …

Vielfach undurchsichtige Zahlungsströme in Österreichs Gesundheitswesen

Die „Verstrickungen von Zahlungsströmen im Gesundheitswesen Österreichs“ waren Mittelpunkt einer Debatte des Rechnungshofausschuss im Parlament. Dabei kritisierte RH-Präsidentin Margit Kraker dass es durch die Aufteilung der Kompetenzen zwischen Bund, Sozialversicherungen, Ländern und Gemeinden zu einer unübersichtlichen Finanzarchitektur im heimischen Gesundheitswesen komme.

Über 60 Akteure erfasst

Das wiederum würde „die Steuerung der Zahlungsströme“ erschweren. Zur Darstellung der gesamten Mittelflüsse im österreichischen Gesundheitswesen müssten „über 60 Akteure“ erfasst werden. Und bei den Sozialversicherungen vermisst der RH sogar einen einheitlichen Kontenplan. Laut der RH-Präsidentin muss es ein Ziel sein, das Rechnungswesen zwischen den einzelnen Häusern zu harmonisieren, „denn nur ein abgestimmtes System ermöglicht die Steuerung der Mittelflüsse“.

Österreichs Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein meinte, dass bereits ihre Amtsvorgänger probiert hätten, „die Finanzierung und die Rechnungskreise im Gesundheitsbereich“ zu vereinfachen. Sie werde nun in einem 1. Schritt versuchen, Synergieeffekte zwischen ihren beiden Ressorts Gesundheit und Soziales zu nutzen. Zudem befürworte sie auch die Zusammenlegung der Sozialversicherungen in 5 Gruppen. Ein Gesetz dazu soll ab 2019 gelten.

EU will bessere und billigere Medikamente

Weil die derzeitigen Preissteigerungen bei neuen Medikamenten langfristig nicht finanzierbar sind, hat das sog. Expert Panel für effektive Investitionen in der Gesundheitsversorgung, das die EU in Fragen der Erhaltung und Finanzierung der öffentlichen Gesundheitssysteme berät, dazu 8 neue Vorschläge präsentiert. Demnach könnten an neue Medikamente auch höhere Anforderungen bei der Zulassung durch die EMA gestellt werden.

Empfehlungen 1-3

Laut der österreichischen Expertin Claudia Wild, Leiterin Ludwig Boltzmann Institute, seien auch striktere Kontrollen bis hin zum Lizenzentzug vorstellbar, wenn Medikamente die in sie gesetzten Erwartungen dann in der Praxis nicht erfüllen. Die neuen gesundheitspolitischen Steuerungsinstrumente sollen mittelfristig zu besseren (innovativeren) Medikamenten führen, die einen größeren Nutzen für Patienten haben und das zu sozial verträglicheren Preisen.

Zudem wird im Bericht die Rolle von Forschung und Entwicklung im Pharmabereich neu gedacht und der Patentschutz in seiner jetzigen Form hinterfragt. Konkret wurden folgende „8 Prinzipien“ formuliert: (1) Die Offenlegung der tatsächlichen Entwicklungskosten von Medikamenten (2) Unterschiedliche Anreize für echte Innovation (z.B. veränderter Patentschutz) (3) Verbesserte Methoden zur Bewertung des gesellschaftlichen Nutzens von Medikamenten

Empfehlungen 4-8

(4) Gemeinsame Politik(en) zur Stärkung der Position in Preisverhandlungen (5) Belohnung von Zusatznutzen und bedarfsorientierter Innovation von Medikamenten (6) Kostenerstattung von Sozialversicherungsträgern für Behandlung und Ergebnis statt nur für Medikamente (7) Die Erprobung und Evaluierung neuartiger Rückerstattungen (8) Die Gründung von gemeinsamen Plattformen zur Diskursmöglichkeit aller Beteiligten

Österreichs Gesundheitssystem 2016 wieder 1,24 Mrd. € teurer

Die Gesundheitsausgaben der Schulmedizin einschließlich der Kosten für die Langzeitpflege haben 2016 in Österreich 36,88 Mrd. € betragen und damit 10,4 % (2015: 10,3 %) vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das meldet die Statistik Austria in einer Aussendung. Gegenüber 2015 sei das ein Anstieg um 1,24 Mrd. €. Die Zahlen wurden übrigens nach der Berechnungsmethode des System of Health Accounts ermittelt.

Verwaltung 4,2 %, Prävention 2,2 %

Davon werden 74,1 % (27,3 Mrd. €) öffentlich finanziert, das heißt von Bund, Ländern, Gemeinden sowie den Sozialversicherungen getragen. Die restlichen fast 10 Mrd. € bezahlten private Haushalte, freiwillige Krankenversicherungen, private Organisationen sowie Unternehmen. Mit den 10,4 % des BIP liegt Österreich im OECD-Vergleich auf dem 10. Platz, soll heißen „nahezu gleichauf mit Belgien und Dänemark und im oberen Mittelfeld der 35 OECD-Mitgliedstaaten“. Der OECD-Durchschnitt beträgt 9 % des BIP, jener der 22 EU-Mitgliedstaaten in der OECD 8,8 % des BIP.

Der größte Brocken im „Gesundheitssystem“ sind traditionell die Leistungen der Spitäler, Kur- und Pflegeheime sowie Rehabilitationseinrichtungen und haben 2016 in Österreich 15,3 Mrd. € oder 41,5 % aller Ausgaben betragen. Davon haben 9,26 Mrd. € „ambulante Leistungen“ betroffen. Weitere 17 % (6,24 Mrd. €) wurden für sog. pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Gebrauchs- und Verbrauchsgüter (u. a. Medikamente und Hilfsmittel aller Art) ausgegeben. Die restlichen Ausgaben verteilten sich u.a. auf die häusliche Langzeitpflege (7,1 %), die Verwaltung (4,2 %), und sogar „die Prävention“ (2,2 %).