Krumm oder schief

Ich habe noch nie eine völlig gerade Haltung gesehen, einen völlig aufrecht gehenden, stehenden oder sitzenden Menschen. Allenfalls im Fernsehen. Sie wissen schon, diese Schwarzafrikanerinnen auf dem Weg zur Wasserstelle. Die tragen den schweren Tonkrug auf dem Kopf. Ungestützt ! Müssen federnd dahin schreiten können – in völliger Balance. Folgen also präzise den Vorgaben der Schwerkraft und nichts sonst. Uns soll es hier mal auf das „Sonst“ ankommen.

Wir gehen, sitzen und laufen krumm oder schief. Das können Sie sich auch in einem Spiegel anschauen. Da hängt dann eine Schulter oder das Becken steht schief. Da bewegen sich die Füße unsymmetrisch. Überhaupt scheint das Wort Symmetrie das Geheimnis zu sein. Aber gut, warum gerade krumm ?

Was jetzt folgt, ist ein selbst konstruierter Gedankengang, der Ihnen Ihre alltäglichen Schmerzen erklären soll. Fangen wir so an: Ihr Gestell wird deshalb krumm und unsymmetrisch, weil irgendein Muskel sich zusammenzieht, verkrampft. Z. B. im Gesäß, in der Schulter usw.. Für dieses Verkrampfen gibt’s mehrere Gründe:

  • Stress: Ein uralter Schutzreflex ist das Hochziehen beider Schultern. Das Gegenmittel wäre der sog. Formel 1-Reflex. Wäre ! Also verspannt sich ein Muskel da oben und zieht die Halswirbelsäule zur Seite. Daraufhin bekommen Sie Torticollis (Schiefhals), Schulterschmerzen oder gar ein Ausstrahlen bis in die Arme.
  • Fehlhaltung: Sie sitzen am Schreibtisch nach vorne gekrümmt. Ist schon falsch. Jetzt muss ein Muskel dagegenhalten, sich verkrampfen, verkürzen.
  • Schonhaltung nach Verletzung: Tut Ihnen der linke Fuß weh, so gehen Sie automatisch ein bisschen schief – zur Entlastung. Dann muss aber irgendein anderer Muskel sich zusammenziehen, auf Dauer verkrampfen, verkürzen.
  • Schiefes Becken: Wie sitzen Sie?
  • Krummes Kreuz: Wo steht Ihr Computer, in den Sie stundenlang schauen ? Links oder rechts ? In welche Richtung sind Sie dabei gedreht ?

Kurz und gut: Sie verdrehen oder verkrümmen sich, worauf ein Muskel verkrampft und sich verspannt. Aber jetzt erst kommt‘s: Daraufhin wird ein anderer Muskel, z.B. auf der Gegenseite übermäßig gedehnt. Und dieser gedehnte, unfreiwillig verlängerte Muskel, TUT DANN WEH. Der ist die Ursache Ihrer Schmerzen. Nicht die Bandscheiben oder Ischias oder oder.

Und in Ihrer Not drücken Sie dann auf den schmerzenden Muskel, z. B. an der Schulter. Das bringt zwar für Sekunden Erleichterung, ist aber trotzdem falsch. Denn Sie drücken auf den falschen Muskel. Es geht vielmehr darum, den ursprünglichen, nun verhärteten (verkürzten) Muskel zu finden und …

ZU ENTSPANNEN.

Das ist dann die Kunst der Physiotherapeuten. Auch der Masseure. Auch der Faszien-Therapeuten. Die Ihnen hoffentlich, hoffentlich Hausaufgaben mit nach Hause geben. Soll heißen ganz bestimmte Dehnübungen, die nicht den schmerzhaften, sondern den verborgenen Missetäter ansprechen. Also den verkrampften Muskel, der für die Schiefhaltung verursacht. Da gibt’s dann auch so manchen Wunderheiler. Ich vermute, dass Frau Dr. Helga Pohl ähnlich arbeitet.

Kreuzschmerzen sind überflüssig !

Der Blutfluss ins Gehirn

Der muss immer gleichbleiben, unabhängig von der Körperhaltung, die man gerade einnimmt. Und weil die Muskeln im Nacken beim Liegen anders belastet werden als im Sitzen oder im Stehen, eignen sie sich besonders gut dafür, dem Gehirn Veränderungen der Körperhaltung mitzuteilen. Störungen bei dieser Kommunikation könnten z.B. auch die Ursache von Schwindelanfällen sein, die man oft nach dem schnellen Aufstehen hat.

Die Blutdruckregulierung über die Nackenmuskulatur ist also sinnvoll. Denn bei uns Schreibtischtätern wird der geneigte, der ständig geneigte Kopf von der Nackenmuskulatur gehalten. Lange Zeit … Resultat? Der Muskel verkrampft, ist verspannt. Tut oft genug weh. Aber jetzt kommt‘s:

Der beim Schreibtischtäter typisch verspannte Nacken kann den Blutdruck in die Höhe treiben; denn die Nackenmuskeln sind mit dem Teil des Gehirns verbunden, der für den Blutdruck, die Atmung und den Herzschlag verantwortlich ist. Darum erhöhen „ungewöhnliche Signale“ von der Muskulatur auch den Blutdruck, z.B. bei Verspannungen.

In der Vergangenheit gab es tatsächlich immer wieder Berichte darüber, dass sich der Blutdruck durch das Einrenken des Nackens verringert. Woran das liegt, war bislang unklar. (Quelle: Journal of Neuroscience)

Darum gibt’s auch den sog. Formel-1-Reflex: “Auuuusatmen und die Schultern fallen lassen”. Wirkt unmittelbar auf die Nacken‐ und Schultermuskulatur. Tut ‐ einfach ‐ gut. Ist übrigens nachzulesen im Buch: forever young ‐ “Das Erfolgsprogramm” oder in den News vom 29.04.2016 und 13.07.2012.

PS: Das Gehirn profitiert von jedem Schritt, den wir gehen oder laufen. (News vom 21.08.2006) Und nichts, aber auch wirklich nichts ist besser für den Kopf als ausdauernde Bewegung – auch nicht ein Kreuzworträtsel. Die angekurbelte Durchblutung und damit erhöhte Sauerstoffzufuhr – schon ein Spaziergang pumpt 30 % mehr Blut in das verstaubte Oberstübchen – trainiert das Gehirn. Wie Herz und Muskeln ist also auch das Gehirn bis ins hohe Alter form- und trainierbar !

Was Muskeln alles bringen

Die Muskulatur ist das größte Organ Ihres Körpers. Wenn sie die verwöhnen, verwöhnen könnten, dann würde Ihnen das eine ganze Menge bringen. Und wie verwöhnt man seine Muskeln? Z.B. mit Ausdauertraining, Krafttraining, Beweglichkeit und Elastizität! Übungen, in die auch Yoga einfließt. Yoga ist Kraftsport. Extremsport, wenn Sie so wollen. Gleichzeitig maximales Bewegungstraining. Viel stärker als man glaubt.

Die Philosophie dahinter ist zentral:

Leben ist Bewegung
Bewegung ist Energie
Muskeln sind die Quelle der Energie

Und was haben Sie praktisch davon, so im Alltag? Lassen Sie mich dazu 6 Punkte aufzählen:

Schultern und Nacken: Kopfarbeiter leiden nicht mehr unter Verspannungen der schlaffen Muskulatur zwischen den Schulterblättern. Der Nacken entspannt. Die Energie wächst.

Arme: Kräftige Arme sehen bei Frauen schön aus, bei Männern imposant. Ein fester Händedruck öffnet beiden die Türen im Geschäftsleben.

Bauch: Untrainiert wölbt er sich unschön über die Hose. Das Becken kippt vor und krümmt die Wirbelsäule. Ein fester Bauch hingegen mindert das Risiko eines Herzinfarktes, zieht die Wirbelsäule lang, entlastet die Bandscheiben, unterstützt die Rückenmuskulatur – und mach attraktiv. Das tun müde machende Bauchfett-Hormone nicht.

Rücken: Jeder 2. Deutsche leidet unter Rückenschmerzen. Eine kräftige Rückenmuskulatur im Zusammenspiel mit guter Koordination beugen garantiert Rückenbeschwerden vor. Da geht man gleich viel beschwingter durchs Leben.

Po: Für viele Menschen hat ein knackiger “Allerwertester” maximalen Reiz. Zusammen mit der Bauch- und Oberschenkelmuskulatur sorgen die Gesäßmuskeln für eine gute Haltung und ein Becken voller Energie.

Beine: Eine kräftige Beinmuskulatur entlastet alle Gelenke vom Fuß über das Knie, zur Hüfte bis zum Halswirbel. Lässt einen durchs Leben federn oder gar hüpfen!

Überzeugt?

Quelle: „die neue diät – das fitnessbuch“ (Heyne Verlag)