Medikamente: Österreich startet die sog. E-Medikation

„Rund ein Viertel der versicherten Österreicher nimmt regelmäßig 5 oder mehr Medikamente ein, die bis zu 10 Wechselwirkungen auslösen können“, sagte Alexander Biach, Vorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Daher könne die Lösung nur E-Medikation heißen. Dazu gebe es auch schon seit 2012 einen gesetzlichen Auftrag, doch werde die Datenbanklösung erst ab jetzt und bis 2019 schrittweise in Österreich eingeführt.

Bundesländerfahrplan zur E-Medikation in Österreich. (Infografik: SVC)

„Damit wissen dann die beteiligten Ärzte und Apotheker, welche Medikamente dem Patienten verordnet wurden und können dementsprechend reagieren.“ Dank der E-Medikation würden sich die Ärzte „wertvolle Zeit in der Anamnese“ ersparen, glaubt Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer. Und laut Gerhard Kobinger sind sogar Österreichs Apotheker „gerne bereit, diesen Mehraufwand für höchstmögliche Arzneimittelsicherheit zu übernehmen“. Patienten müssten dazu dann überall die sog. E-Card vorweisen.

In Österreich kommen auf 1.000 Einwohner 4 Ärzte

In Österreich kommen auf 1.000 Einwohner “nur” 4 Ärzte, moniert die Ärztekammer Wien in einer Aussendung und fordert daher einen „Masterplan Medizinernachwuchs“. Genügend Nachwuchs, um „eine fundamentale Versorgungskrise“ abzufangen, sei nämlich nicht in Sicht. So gebe es an Österreichs Medizinuniversitäten seit gut 10 Jahren jedes Jahr rund 1.700 Absolventen, allerdings mit stetig steigendem „Ausländeranteil“. Und darüber hinaus bleibe Österreich laut dem Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, noch dazu „ein Exportland von Medizinern“.

Streikschulung der Ärztekammer Wien am 7. Sept. 2016. (Foto: ÄK Wien / S. Seelig)
Streikschulung der Ärztekammer Wien am 7. Sept. 2016 im Festsaal der WU Wien. (Foto: ÄK Wien / S. Seelig)

Der Bundeshauptstadt Wien würden 2030, also schon in 14 Jahren, 3.000 bis 4.000 Ärzte fehlen. „Der Befund ist eindeutig: Über 60 % der Kassenärzte werden in den nächsten 10 Jahren das gesetzliche Pensionsalter erreichen“, weiß Johannes Steinhart von der Österreichischen Ärztekammer. So gerechnet gebe es in Wien aktuell noch 730 Hausärzte, 2030 dann jedoch nur mehr 190. „Schon im Jahr 2025 kommen auf einen Allgemeinmediziner 3.338 Patienten und auf einen Facharzt 2.914 Patienten.“

Die Gesundheitspolitik dürfe, so der Ärztevertreter, auch die immer wichtigere Rolle des Wahlarztes nicht übersehen. Ohne diese würde der niedergelassene Versorgungsbereich schon jetzt nicht mehr funktionieren. „Um aber weiter 100 % im Beruf geben zu können, braucht die Ärzteschaft neben dem passenden Umfeld auch die richtigen Bedingungen“, fordert Steinhart. Dazu gehöre u.a. die Streichung von zeitraubenden bürokratischen Auflagen genauso wie ein Ende der Deckelungen und Degressionen im niedergelassenen Bereich.