Kommt ein Steuervorteil für Hobbysportler in Österreich ?

Eine Allianz aus Österreichische Ärztekammer, Wirtschaftskammer Wien und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger möchte wieder „die Gesundheit der Menschen“ in den Mittelpunkt rücken und fordert dazu einen Steuervorteil für Hobbysportler in Österreich. Konkret geht es dabei um die steuerliche Absetzbarkeit von Mitgliedsbeiträgen in Sportvereinen oder Sporteinrichtungen wie z.B. Fitnesscenter oder Tennisverein. Damit könnten wohl mehr Menschen zu regelmäßigem Sport animiert werden, hieß es bei einer Pressekonferenz in Wien.

Allianz für ein gesünderes Österreich u.a. mit dem Präsidenten der Ärztekammer … (Foto: WKW / F. Wieser)

Das Modell sieht vor, dass im Rahmen des Steuerausgleichs pro Jahr bis zu 600 € geltend gemacht werden können – bei einer nachgewiesenen Vereinsmitgliedschaft von mindestens 6 Monaten. Für einen durchschnittlichen österreichischen Steuerzahler wäre das dann eine Steuererleichterung von rund 210 €. Die Republik insgesamt würde das Vorhaben rund 150 Mio. € kosten. “Der Steuervorteil rechnet sich mittel- und langfristig, weil das Gesundheitssystem durch mehr Freizeitsportler und weniger kranke Menschen deutlich entlastet würde“, so Alexander Biach, Vorsitzender der Sozialversicherungsträger.

Als ein Vorbild könnte nämlich Schweden dienen, wo die Hälfte der Bevölkerung Mitglied in einem Sportverein sei. Zudem erhob die Österreichische Bundes-Sportorganisation in einer Studie die Kosten körperlicher Inaktivität und den Nutzen von Sport. Demnach verursacht körperliche Inaktivität pro Jahr bis zu 2,4 Mrd. € an Kosten im Gesundheitsbudget, hingegen regelmäßige körperliche Bewegung der Österreicher eine Einsparung von rund 500 Mio. €. In dieser Rechnung seien auch schon alle Sportunfälle mitberücksichtigt.

Medikamente: Österreich startet die sog. E-Medikation

„Rund ein Viertel der versicherten Österreicher nimmt regelmäßig 5 oder mehr Medikamente ein, die bis zu 10 Wechselwirkungen auslösen können“, sagte Alexander Biach, Vorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Daher könne die Lösung nur E-Medikation heißen. Dazu gebe es auch schon seit 2012 einen gesetzlichen Auftrag, doch werde die Datenbanklösung erst ab jetzt und bis 2019 schrittweise in Österreich eingeführt.

Bundesländerfahrplan zur E-Medikation in Österreich. (Infografik: SVC)

„Damit wissen dann die beteiligten Ärzte und Apotheker, welche Medikamente dem Patienten verordnet wurden und können dementsprechend reagieren.“ Dank der E-Medikation würden sich die Ärzte „wertvolle Zeit in der Anamnese“ ersparen, glaubt Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer. Und laut Gerhard Kobinger sind sogar Österreichs Apotheker „gerne bereit, diesen Mehraufwand für höchstmögliche Arzneimittelsicherheit zu übernehmen“. Patienten müssten dazu dann überall die sog. E-Card vorweisen.

Pharmig: Preisdumping in Gesetz gefährdet Gesundheitsversorgung Österreichs

Nachdem man noch tags zuvor der neuen Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner gehuldigt hatte, kritisierte der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) einen Gesetzes-entwurf vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen „unter Einfluss des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger“ – und zwar wegen der Aufnahme von Arzneimitteln in den Erstattungskodex. Dieser würde zudem „massiv negativ“ in den seit Jahren bestehenden Prozess der Preisfestsetzung eingreifen!

Restriktives Preisregime

Österreichs Pharmawirtschaft sieht dergestalt die Versorgung der heimischen Patienten mit innovativen Arzneimitteln gefährdet, denn laut Pharmig würde „ein restriktives Preisregime“ auch die bisherige „partnerschaftliche Haltung“ zwischen Pharmabranche und Haupt-verband vermissen lassen. Zudem habe man den Krankenkassen 2016 ohnehin „die stattliche Summe von 125 Mio. € an Solidarbeiträgen“ überwiesen. „Sämtliche Vertreter der Pharmawirtschaft sehen für die massiven Einschnitte, die der Entwurf vorsieht, keine wirtschaftliche Notwendigkeit“, heißt es in einer Presseaussendung des Pharmig.

So seien durch die Solidarbeiträge die Nettoausgaben für Arzneimittel um über 2 % zurückgegangen und der Hauptverband werde „dadurch“ 2016 einen Gebarungsüberschuss von voraussichtlich 81 Mio. € verzeichnen können, betont etwa Sylvia Hofinger vom FCIO. Und für Johann Kwizda, Vorsitzender im Bundesgremium des Handels mit Arzneimitteln, bestehe „für einen so massiven regulatorischen Eingriff überhaupt keine Notwendigkeit“! Schließlich würden die Krankenkassen auch „beständig“ ihre Rücklagen vermehren … Von dem Gesetzesentwurf besonders betroffen sei laut eigener Aussage der Arzneimittelgroßhandel (PHAGO).

Gesprächsbereitschaft

Laut dessen Verbandspräsidenten reiche der steigende Einsatz von extrem preisgünstigen Generika nicht mehr aus, die variablen Kosten abzudecken. „Schon jetzt liegt die Großhandelsspanne für die Hälfte aller Krankenkassen-Packungen unter den Porto-Kosten eines Standardbriefes (68 Cent). Wenn diese Entwicklung so weitergeht, können wir den Versorgungsauftrag als kritische Infrastruktur für Österreich nicht mehr aufrechterhalten“, erklärt Andreas Windischbauer. Alle Beteiligten, so wird betont, darunter Manuel Reiberg vom FOPI wie auch Wolfgang Andiel vom Generikaverband, seien weiter gesprächsbereit um den Gesetzesentwurf noch abzuändern.

Österreicher jährlich fast 2 Wochen im Krankenstand – 1 % BIP

Laut Fehlzeitenreport 2016 des WIFO im Auftrag von Hauptverband, WKO und AK waren Österreichs unselbständig Beschäftigte 2015 im Schnitt 12,7 Tage im Krankenstand und damit um 2,5 % mehr als 2014. Dies entspricht einem Verlust an Jahresarbeitstagen von 3,5 %. Dabei dauerten fast 39 % aller Krankenstände weniger als 4 Tage. Deren Gewicht, so das WIFO, ist allerdings mit nur 8 % aller krankheitsbedingten Fehlzeiten gering. Und während nur 12,5 % der Krankenstände länger als 2 Wochen dauern, würden diese dennoch knapp 60 % der Fehlzeiten ausmachen. Langfristig gesehen sei das heimische Krankenstandsniveau “derzeit vergleichsweise niedrig”.

Lisa Brunner vom Institut für Suchtprävention und Ulrike Rabmer-Koller vom Hauptverband neben weiteren Experten bei der Präsentation des Fehlzeitenreports 2016. (Foto: Hauptverband / APA / Roßboth)

Laut WIFO wandelt sich das Bild der wichtigsten Krankenstands-ursachen im Laufe der Zeit. Derzeit ergebe sich bei psychischen Erkrankungen „ein klarer Aufwärtstrend“. Und, was so schon bekannt ist, treten ältere Arbeitskräfte sogar seltener als die Jungen einen Krankenstand an, fehlen dann jedoch länger am Arbeitsplatz. Wie die Krankenstandsquoten nach Alter überhaupt einem leichten “U” folgen würden: Jugendliche bis 20 Jahren seien vergleichsweise oft krank, zwischen 25 und 39 Jahren am wenigsten und ab 40 Jahren dann wieder öfter mit dem Höhepunkt von 60-64.

Bundesbeamte wiederum lieben Kurzkrankenstände und sind hierzulande um gut 9 % öfter „krank“ als die Arbeiter und Angestellten der Privatwirtschaft. Verglichen nur mit den Angestellten seien es sogar 20 %. „Beim Bundespersonal fällt zudem pro Kopf eine deutlich höhere Anzahl an Kurzkrankenständen auf als bei den ASVG-Versicherten“, monieren die Experten des WIFO. Im Schnitt war 2014 jeder Bundesbedienstete 2,5 Arbeitstage im Krankenstand, in der Privatwirtschaft war es nur 1 Tag. Und auch regional sei die Krankenstandquote sehr unterschiedlich.

Salzburger am gesündesten

Während Salzburg mit 10,4 Tagen nun schon seit Jahren die geringsten Fehlzeiten aufweist, kommt man in Niederösterreich sogar auf 2 Wochen. Dahinter liegen Oberösterreich (13,2 Tage) und Wien mit 13 Tagen. „Krankenstände stellen nicht nur für die Beschäftigten eine Belastung dar, sondern auch für die Betriebe und die Volkswirtschaft“, unterstreichen die Studienexperten. So hätten die Arbeitgeber 2014 in Summe 2,7 Mrd. € an Entgeltfortzahlungen geleistet und weitere 674 Mio. € wurden von den Sozialversicherern ausbezahlt – in Summe 3,4 Mrd. € oder 1 % des BIP.