Plus 5 % in 20 Jahren: Worauf Österreichs Krebsspezialisten noch stolz sind …

Für sog. Frohmediziner ist es durchaus amüsant, was österreichische Krebsspezialisten bei einer Pressekonferenz in Wien so über ihr Fachgebiet zum besten gaben – und trotz aller Erfolge (!?) sei die onkologische Versorgung des Landes dennoch „in Gefahr“. Führende Onkologen und die forschende Pharmaindustrie würden daher eine „Agenda Krebs 2030“ sowie „ein Commitment der politischen Entscheidungsträger” fordern.

Ganz im Ernst … (Foto: FOPI / APA / Tanzer)

Prof. Leopold Öhler vom St. Josef Krankenhaus Wien betonte dabei, dass „die Erfolge in der Onkologie evident und auch für Österreich nachweisbar“ seien. So wäre es in den letzten 25 Jahren gelungen, die Sterblichkeit um ca. 25 % zu reduzieren und das relative 5-Jahres-Überleben seit 1995 um (vermutlich) 5 % auf über 60 % im Jahr zu erhöhen. Wie viel genau „über“, das wurde nicht erwähnt. Gleichzeitig sei die Zahl der Neuerkrankungen sowohl bei Frauen als auch bei Männern um 12,6 % zurückgegangen.

Laut Prof. Andreas Petzer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie, ist derzeit die onkologische Versorgung in Österreich auf einem hohen Niveau, aber die Zukunft stelle „uns“ vor große Herausforderungen. Diese würden Demografie, Prävalenz und Ressourcen heißen. Was die Finanzierung angeht, so meinte Ingo Raimon, Präsident des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich, dass Österreichs Gesundheitssystem zwar unbestritten vor finanziellen Herausforderungen stehe, doch „die Gesundheitsausgaben für Krebs seit 2010 stabil“ seien.

Pharmaindustrie weiterhin Forschung ermöglichen

Bei diesen Ausgaben liege die Alpenrepublik „zwar ein wenig über dem europäischen Schnitt“, doch es sei belegt, dass Länder mit höheren Ausgaben auch höhere Überlebensraten aufweisen. „Gemessen am BIP gibt Österreich für Krebsbehandlungen etwa so viel aus wie meisten europäischen Länder, doch bei der Effektivität sind wir im Spitzenfeld“, so der FOPI-Präsident. Die Kehrseite der Medaille wäre allerdings „die außerordentlich lange Forschungszeit“. Von der Patentanmeldung bis zur Zulassung eines Medikaments dauere es fast 10 Jahre – und dabei müsse die Pharmaindustrie „auch viele Fehlschläge verkraften“.

So konnten etwa bei Hautkrebs „erst nach 30 erfolglosen Jahren 7 neue Medikamente auf den Markt gebracht werden. Und bei Lungenkrebs scheiterten 167 Studien, bevor 10 neue Medikamente zur Verfügung standen.“ Für die angesprochene „Agenda Krebs 2030“ forderte Prof. Wolfgang Hilbe vom Wiener Wilhelminenspital, der forschenden Pharmaindustrie weiterhin klinische Studien am Standort Österreich zu ermöglichen. Dazu wären „Exzellenzzentren und Versorgungsnetzwerke“ zu finanzieren sowie „die Etablierung eines einheitlichen Qualitätsbegriffs sinnvoll“.