Medizinwitz des Tages 28. August 2020

Gesundheit muss in Deutschland grundlegend neu gedacht werden. Denn einerseits gibt es zwar einen immer stärkeren Fokus auf präventive Gesundheitsförderung, andererseits aber stieg zugleich die Zahl der Krankheitstage von 328 Mio. im Jahr 2008 auf 449 Mio. im Jahr 2018.

Asklepios Kliniken GmbH am 28.08.2020

Laut einer Studie der Gesundheitsökonomen Maria Hofmarcher-Holzhacker und Christopher Singhuber ist die kassenärztliche Versorgung in Österreich “überall auf dem Rückzug”. … Auch der Forderung der Studienautoren nach mehr Gesundheitsprävention ist vorbehaltslos zuzustimmen.

Österreichische Ärztekammer am 28.08.2020

Die deutsche Gesellschaft hat ein Alkoholproblem.

Fachhochschule Frankfurt am 28.08.2020

Der durch Covid-19 verursachte finanzielle Schaden für die Schweizer Spitäler wird bis Ende 2020 rund 2,6 Mrd. CHF betragen. Der Schaden ist auf die Vorhalteleistungen der Spitäler zurückzuführen, die sich im Sinne von Opportunitätskosten mittels Ertragsausfällen quantifizieren lassen. Bis zu 75 % des Gesamtschadens entfallen auf die Ertragsausfälle wegen des Behandlungs- und Operationsverbots vom 17. März bis 26. April 2020.

H+ Die Spitäler der Schweiz am 28.08.2020

Ohne Zweifel ist eine auch in Zukunft abgesicherte Gesundheitsversorgung in Österreich nur mit zusätzlichen staatlichen Investitionen in das Gesundheitssystem möglich. Die Studienautoren Hofmarcher-Holzhacker und Singhuber schätzen, dass für eine gänzliche Überwindung von Covid-19 in Österreich etwa 4,2 Mrd. € nötig sein werden, davon allein 600 Mio. € für Investitionen in bessere Gesundheitsleistungen. Solche Investitionen sind gut für die Gesundheit und gut für die Wirtschaft.

Österreichische Ärztekammer am 28.08.2020

Das Corporate Health Management muss endlich zur Chefsache erklärt und ganzheitlich angegangen werden. Schließlich gibt es für einen Mehrwert durch effektives betriebliches Gesundheitsmanagement überzeugende Zahlen: Die Mitarbeiterfluktuation nimmt um 40 % ab, der Umsatz pro Mitarbeiter steigt um 11 % und der Aktienwert sogar um 76 %. Trotz dieser Zusammenhänge und trotz eines Return on Investment von 2:1 oder sogar 3:1 wird in deutschen Unternehmen das Potenzial zur Förderung von Gesundheit bis heute nicht ausgeschöpft.

Roland Berger am 28.08.2020

Tests auf eine aktive oder überstandene Infektion mit SARS-CoV-2 werden aktuell in Deutschland stark nachgefragt. Diesbezüglich ist aber (1.) noch mehr Klarheit über die Verlässlichkeit der verschiedenen Tests und ihre Verfügbarkeit nötig. (2.) müsse man sich darüber einig werden, wer primär getestet werden soll, was mit den Testungen erreicht werden soll und wie das Verfahren nach einem positiven Test aussieht. (3.) ist in diesem Zusammenhang zu klären, wo die Tests zur Verfügung stehen und wer die Kosten tragen soll.

ABDA am 28.08.2020

ANMERKUNG: Für einen Medizinwitz des Tages müssen die genannten Fakten nicht unbedingt falsch sein. Es reicht schon, wenn aus Sicht der Frohmedizin die Richtung oder Konsequenz “absurd” ist …

Gesundheitspolitik und Prävention: neues Internetportal der EU

Die EU-Kommission hat ein neues Internetportal zur Gesundheitsförderung und Krankheitsvorsorge gestartet, um die Umsetzung von Gesundheitspolitiken in der EU zu unterstützen. Das Webportal biete zuverlässige, unabhängige und aktuelle Informationen zu Themen der Gesundheitsförderung und Prävention von nicht übertragbaren Krankheiten wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs, heißt es dazu in einer Aussendung.

Der neue “Health Promotion and Disease Prevention Knowledge Gateway” der EU. (Foto: MHJ)

Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, dazu: “Die Ernährungsgewohnheiten und der Lebensstil der Menschen haben einen wesentlichen Einfluss auf ihre Gesundheit und Lebensqualität. Deshalb fordere ich die Mitgliedstaaten und Interessengruppen nachdrücklich auf, sich stärker auf die Förderung einer guten Gesundheit zu konzentrieren. Doch manchmal kann das sowohl für Politiker als auch die Öffentlichkeit kompliziert werden, denn es gibt fast zu viele aussagekräftige Fakten über die Themen Ernährung, Bewegung usw..

Und weil wir dazu auch durch ein Meer von Fehlinformationen, Meinungen, Vorurteilen und Mythen navigieren müssen, freue ich mich Ihnen das neue Health Promotion and Prevention Gateway der EU als sozusagen One-Stop-Shop für unabhängige und verlässliche Informationen präsentieren zu können.” Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, sprach von einem Instrument, das mit und für Entscheidungsträger in der EU geschaffen wurde und Hunderte von Forschungspapiere sowie politische Beispiele mitberücksichtigt habe.

Förderung einer gesunden Lebensweise

“Die Informationen sind auf die Bedürfnisse der nationalen politischen Entscheidungsträger zugeschnitten und werden in ein benutzerfreundliches Format gebracht. Das wird dazu beitragen, Gesundheitsrichtlinien auf der Grundlage strenger und objektiver Bewertungskriterien formulieren zu können.” Die Einführung des “Gateway” folgt übrigens der Forderung nach einem gesunden Lebensstil, die am 22. Sept. 2017 in Estland erarbeitet wurde und in den nächsten 2 Jahren einen Fahrplan zur Förderung einer gesunden Lebensweise in Europa vorgebe.

EU-Länder brauchen effektivere und belastbarere Gesundheitssysteme

Die Lebenserwartung in den meisten EU-Ländern liegt inzwischen bei über 80 Jahren, wobei dieser Rekordwert nicht immer mit einem gesunden Älterwerden einhergeht. Das geht aus dem von EU-Kommission und OECD präsentierten Bericht „Gesundheit auf einen Blick: Europa 2016“ hervor. Rund 50 Mio. Europäer seien mehrfach chronisch krank und sogar über eine halbe Million würden alljährlich im erwerbsfähigen Alter an chronischen Krankheiten sterben. Daraus entstehen in der EU jährliche Kosten von 115 Mrd. €.

Informationszyklus von EU und OECD zum Gesundheitszustand in der EU (Infografik: EU Kommission)
Informationszyklus von EU und OECD zum Gesundheitszustand in der EU (Infografik: EU Kommission)

Als Konsequenz aus dem vorgelegten Bericht fordern Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicher-heit, wie auch OECD-Generalsekretär Angel Gurria, dass die Gesund-heitssysteme der EU-Mitgliedsländer (1.) effektiver, (2.) einfacher zugänglich und (3.) belastbarer werden. So seien 16 % der Erwachsenen aktuell fettleibig (2000 noch 11 %) und ein Fünftel von ihnen raucht nach wie vor. „Viele Menschenleben könnten gerettet werden, indem einerseits mehr Ressourcen in Strategien zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention investiert würden“, so die beiden Poliker.

Weiters müssten 27 % der Patienten eine Notaufnahme aufsuchen, , weil nicht genügend Einrichtungen zur medizinischen Grundver-sorgung da sind. Zudem würden aber durchschnittlich 15 % der Gesundheitsausgaben von den Patienten direkt bezahlt, wobei für arme Menschen in Europa sich im Vergleich zu ihren wohlhabenderen Mitbürgern das Risiko, aus finanziellen Gründen nur schwer angemessene medizinische Versorgung zu erhalten verzehnfache. In der gesamten EU stieg der Anteil der über 65-Jährigen von unter 10 % (1960) auf fast 20 % (2015) und dürfte bis 2060 auf knapp 30 % anwachsen.

Informationszyklus zum Gesundheitszustand in der EU

Nicht allein deshalb seien E-Health-Angebote nötig, kürzere Spitals-aufenthalte sowie ein bedachterer Einsatz von Medikamenten. Mit dem Informationszyklus zum Bericht „Gesundheitszustand in der EU“ sollen die Mitgliedstaaten dabei unterstützt werden, ihre Kenntnisse zu verbessern und stärker faktenbasierte politische Entscheidungen zu treffen.