Lebenserwartung: Männer verschenken 17 Jahre, Frauen 14

Der Lebensstil hat naturgemäß großen Einfluss auf das Lebensalter. Laut dem “Länger besser leben”-Institut an der Universität Bremen würden jedoch Männer im Schnitt auf 17 Jahre ihrer Lebenserwartung verzichten und Frauen auf 14. Es sei daher die Frage gestattet: Warum wollen wir nicht älter werden?

Rauchen und Alkohol

“Das Rauchen ist nach wie vor der größte Risikofaktor zur Verringerung der Lebenserwartung”, betont der Institutsvorstand Gerd Glaeske. Männer ab 40, die täglich mehr als 10 Zigaretten rauchen, würden gegenüber Nichtrauchern im Durchschnitt auf 9 Lebensjahre verzichten, Frauen auf über 7 Jahre. Weiters verkürze auch zu viel Alkohol die Lebenserwartung um bis zu 3 Jahre. So sei laut dem Experten längst bekannt, dass Männer pro Tag nicht mehr als einen halben Liter Bier und einen viertel Liter Wein trinken sollten.

Frauen werde sogar nur die Hälfte dieser Mengen empfohlen, weil sie Alkohol deutlich schlechter abbauen. Die lebensverkürzende Wirkung von Alkohol tritt laut Glaeske “erst bei täglich 2 und mehr Gläsern pro Tag auf, wenn dies zum Dauerzustand wird”. Analysen würden zeigen, dass bei einem ungesunden Lebensstil im Alter von 70 Jahren schon jeder 2. Mann gestorben ist. Bei einem gesunden Lebensstil nur jeder 10. Dagegen helfe das Rauchen aufzugeben, Alkohol in Maßen, eine richtige Ernährung und genug Bewegung …

NDR Fernsehen: Apotheken verkaufen auch überflüssige Medikamente

Für deutsche Apotheken ist laut Apothekenbetriebsordnung von 2012 eine ausführliche Kundenberatung sogar Pflicht. Werden die Temperaturen kälter, so fürchten sich viele Menschen vor einer Erkältung und wünschen sich dann starke Abwehrkräfte. Wer dann allerdings in eine Apotheke geht, wird oft schlecht beraten und erhält sogar überflüssige Medikamente. Das ergab eine Stichprobe des Wirtschafts- und Verbrauchermagazins “Markt” im NDR Fernsehen. Das “erschreckende” Ergebnis: Fast alle getesteten Apotheken machten ein gutes Geschäft und zwar ohne Rücksicht auf den Patienten. Mediziner und Pharmakologen seien darum “entsetzt”.

Erkältungen im 4. Quartal 2015 in Deutschland. (Infografik: obs / Wissenschaftliches Institut der AOK / AOK-Mediendienst)

“Markt” testete mit der immer gleichen Frage die Beratung in 10 Apotheken: “Ich bin gesund, möchte mich aber in der Erkältungszeit vor einer Ansteckung schützen.” Das Ergebnis: 9 Apotheken verkauften Präparate zum Schutz vor einer Erkältung und zur Stärkung des Immunsystems. Hingegen rät Martin Scherer von der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf von solchen Mitteln zur Prophylaxe ab: “Bei einer Erkältung hat man es mit einer Vielzahl von Viren zu tun. Dabei das Immunsystem unspezifisch stimulieren zu wollen, ist nicht sinnvoll.” Bei den Testkäufen wurden pro Apotheke zwischen 6,75 und knapp 50 € fällig.

Geld, das man sich sparen könnte. “Oft hat ein Verkauf solcher Produkte mit dem Immunsystem wenig zu tun und ist meistens nur Geschäftemacherei”, kritisiert der Pharmakologe Gerd Glaeske das Vorgehen der Apotheken. In 7 von 10 Apotheken wurden auch Nahrungsergänzungen für Kinder verkauft. Nur eine Apotheke hat in der “Markt”-Stichprobe gar nichts verkaufen wollen, sondern die normalen Regeln einer gesunden Lebensweise empfohlen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. (ABDA) meinte zu der “Markt”-Analyse, dass bei rund 20.000 Apotheken mit 150.000 Mitarbeitern und etwa 3,6 Mio. Patientenkontakten täglich natürlich nicht alle Beratungsfälle “zur vollsten Zufriedenheit” verlaufen könnten.

Wer will, der kann schon 100 Jahre alt werden

Die Lebenserwartung der Menschen steigt erfreulicherweise an. Deren Jahre bei voller Gesundheit eher nicht so sehr. Wurde man im 19. Jahrhundert noch rund 50 Jahre alt, so dürften 28 % der Mädchen mit Geburtsjahr 2017 an die 100 Jahre alt werden. Von den Burschen dürften es 7 % schaffen. Dies haben Studien des Max-Planck-Institut für demografische Forschung ergeben. Eine heute 50-jährige Frau dürfte 88,2 Jahre alt werden, gleichaltrige Männer kommen auf eine Lebenserwartung von 83,4 Jahren.

In der EU sind 27 Mio. Menschen über 80 Jahre alt. (Infografik: obs / Ergo Versicherungsgruppe AG)

Wer also will, der kann bereits 100 Jahre alt werden. Die Gründe für diese Steigerung der Lebenserwartung sind schnell aufgezählt: Bessere Wohn- und Arbeitsbedingungen, mehr Bildung, mehr Hygiene, eine gesündere Ernährung sowie der medizinische Fortschritt insgesamt. Einen großen Einfluss auf das Alter haben bekanntlich auch noch der soziale Status wie der jeweilige Lebensstil. Darin vorbildlich ist z.B. Wildor Hoffmann, der ehemalige Präsident der Deutschen olympischen Gesellschaft. Er lehrt mit 92 Jahren noch immer als Professor an der Kölner Sporthochschule, lernt gerade Rumba tanzen und bewältigt jeden Tag 200 Treppenstufen.

“Langlebigkeit hat vor allem mit geistiger und körperlicher Fitness zu tun hat, also mit Denken und Sport”, unterstreicht Prof. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Dass Männer statistisch gesehen rund 7 Jahre kürzer leben als Frauen, liegt laut der Universität Wien auch daran, dass sie riskanter leben würden. Damit gemeint sind eine Vorliebe für Alkohol und Nikotin, das Schwänzen von Vorsorgeuntersuchungen, die oft grundsätzliche Ablehnung von Nahrungsergänzungsmitteln sowie das Betreiben von Extremsportarten. Daran will u.a. auch der “Weltmännertag” jedes Jahr am 3. November aufmerksam machen!

Jeder 10. Deutsche ist zuckerkrank

In Deutschland werden immer mehr Menschen zuckerkrank. Das meldet das neu gegründete Institut „Länger besser leben“ an der Universität Bremen. Waren es 2009 noch 8,9 % der Bevölkerung mit Diabetes Typ 1 und 2, so stieg diese Zahl 2015 auf 9,8 %. In Österreich sind es 8-9 %. Dabei sind die Auslöser von Diabetes längstens bekannt: falsche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel und das Rauchen. Und es stechen vor allem 2 Fakten ins Auge: Männer sind deutlich häufiger zuckerkrank als Frauen und auch bei den Bundesländern gebe es große Unterschiede.

Das Institut will den “eingeschlagenen Präventionspfad konsequent fortführen”. (Logo: obs / BKK24)

Besonders groß sei, so, der Unterschied im Alter von 65-75, wo die Krankheit bei den Frauen 20-25 % betrifft, jedoch bei den Männern 25-30 % 30 Prozent der Männer. Das bereits erwähnte Übergewicht führt laut Institutsleiter Gerd Glaeske dazu, dass bei der Ernährung die Insulinproduktion zur Verarbeitung des Zuckers nicht mehr so gut funktioniert. Dann leiden die Blutgefäße und es kommt zu Durchblutungsstörungen – vor allem in Beinen und Füßen, Nieren und den Augen. Und letzten Endes drohen die Amputation von Zehen oder Füßen, die Dialyse bis hin zur Erblindung.