Medizinwitz des Tages 23. Oktober 2019

Die Tatsache, dass vielen Patienten unnötig Schaden zugefügt und damit zugleich eine Menge Geld verschwendet worden ist, wurde früher einfach verdrängt. Doch im Durchschnitt erfahren bei einer Behandlung bis zu 17 % der Patienten ein unerwünschtes Ereignis. Davon wäre aber sogar die Hälfte vermeidbar. Die finanzielle Last der direkten Kosten dieser Ereignisse liegt für die öffentlichen Gesundheitssysteme aller EU-Mitgliedsstaaten bei etwa 21 Mrd. € oder 1,5 % der Gesundheitsausgaben 2014.

Krankenhaus Hietzing am 23.10.2019

Bei der Erarbeitung des Weißbuches “Zukunft der Gesundheitsversorgung in Österreich” kristallisieren sich folgende 10 Thesen heraus: (1) Der Patient muss in den Mittelpunkt des Gesundheitssystems gestellt werden. (2) Die Gesundheitskompetenz der Menschen soll gestärkt werden und Prävention gefördert.

Praevenire – Gesellschaft zur Optimierung der solidarischen Gesundheitsversorgung am 23.10.2019

Neue Ergebnisse der MedUni Wien zeigen, dass ein Protein namens mTORC2, gegen das gerade neuartige Krebsmedikamente entwickelt werden, bei Darmkrebs gar nicht aktiv ist. Eine Aktivität von mTORC2 gab es nur in gewissen Immunzellen, die dieses Protein sogar zur Bekämpfung von Krebszellen benötigen.

MedUni Wien am 23.10.2019

ANMERKUNG: Für einen Medizinwitz des Tages müssen die genannten Fakten nicht unbedingt falsch sein. Es reicht schon, wenn aus Sicht der Frohmedizin die Richtung oder Konsequenz “absurd” ist …

Krebs: 57 % der Medikamente reine Geldverschwendung

Ob auf dem US-Krebskongress “ASCO” in Chicago oder dem Kongress “Medizin und Gesundheit” in Berlin: Weltweit werden die Fortschritte in der Krebsbehandlung thematisiert und über die Finanzierbarkeit neuer Behandlungen wie Medikamente diskutiert. Dabei ergab nun eine Studie, publiziert in The British Medical Journal (BMJ), dass 57 % der von 2009-2013 erschienen Krebsmedikamente keinen Einfluss auf die Lebensqualität oder gar das Überleben von Krebspatienten hatten.

Öffentliche Gelder

Das würde, so das renommierte BMJ, gar “ernste Fragen” aufwerfen. Wie z.B., warum das derzeitige regulatorische Umfeld die Zulassung von Krebsmedikamenten unterstützt, die Patienten sogar in Gefahr brächten, noch mehr an Lebensqualität zu verlieren. Viele der Medikamente wurden nämlich auf der Grundlage von Surrogat-Endpunkten zugelassen, obwohl dies kein verlässlicher Indikator für die meisten Krebsbehandlungen ist. Laut Meinung der Forscher sei das nicht nur eine Verschwendung öffentlicher Geldmittel, sondern würde auch die bezahlbare Versorgung in anderen Bereichen untergraben.

Diesem “völlig falschen Bild von der Wirkung neuer Krebsmedikamente” entgegnet z.B. der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig), dass sehr wohl jedes einzelne Krebsmedikament wertvoll sei: “Es ist vielfach nicht möglich, zum Zulassungszeitpunkt ausnahmslos alle Daten zur Wirkungsweise eines neuen Arzneimittels zu haben – speziell dann, wenn es um die Verlängerung der Lebenszeit geht”, findet deren Generalsekretär Jan Huber. Und außerdem höre das Sammeln von Daten über ein neues Arzneimittel nicht mit dessen Zulassung auf. Die Studie suggeriere zudem, dass “nutzlose Medikamente” zugelassen würden, was laut Pharmig nicht akzeptiert werden könnte.

Millionen bzw. Milliarden

Die Ergebnisse der Studie seien auch geeignet, die Leistungen eines Partners im Gesundheitswesen, der “für einen großen Teil des Fortschritts in der Medizin” steht, unter Wert darzustellen. Man dürfe laut Huber nicht vergessen, dass die Pharmaindustrie “Millionen- bzw. auch Milliardenbeiträge” in die Entwicklung von Arzneimitteln investiert. Es gebe Zahlen, die “eindrücklich und nachweislich den effektiven Nutzen medikamentöser Krebstherapien” belegen: So bleiben etwa die Ausgaben für Krebsmedikamente seit Jahren gleich, obwohl immer mehr Krebspatienten behandelt würden. “Die 5-Jahres-Überlebensrate bei Krebs wurde in Österreich von 48 % auf 61 % enorm gesteigert”, bilanziert der Pharmig.