Pharmig: Preisdumping in Gesetz gefährdet Gesundheitsversorgung Österreichs

Nachdem man noch tags zuvor der neuen Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner gehuldigt hatte, kritisierte der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) einen Gesetzes-entwurf vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen „unter Einfluss des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger“ – und zwar wegen der Aufnahme von Arzneimitteln in den Erstattungskodex. Dieser würde zudem „massiv negativ“ in den seit Jahren bestehenden Prozess der Preisfestsetzung eingreifen!

Restriktives Preisregime

Österreichs Pharmawirtschaft sieht dergestalt die Versorgung der heimischen Patienten mit innovativen Arzneimitteln gefährdet, denn laut Pharmig würde „ein restriktives Preisregime“ auch die bisherige „partnerschaftliche Haltung“ zwischen Pharmabranche und Haupt-verband vermissen lassen. Zudem habe man den Krankenkassen 2016 ohnehin „die stattliche Summe von 125 Mio. € an Solidarbeiträgen“ überwiesen. „Sämtliche Vertreter der Pharmawirtschaft sehen für die massiven Einschnitte, die der Entwurf vorsieht, keine wirtschaftliche Notwendigkeit“, heißt es in einer Presseaussendung des Pharmig.

So seien durch die Solidarbeiträge die Nettoausgaben für Arzneimittel um über 2 % zurückgegangen und der Hauptverband werde „dadurch“ 2016 einen Gebarungsüberschuss von voraussichtlich 81 Mio. € verzeichnen können, betont etwa Sylvia Hofinger vom FCIO. Und für Johann Kwizda, Vorsitzender im Bundesgremium des Handels mit Arzneimitteln, bestehe „für einen so massiven regulatorischen Eingriff überhaupt keine Notwendigkeit“! Schließlich würden die Krankenkassen auch „beständig“ ihre Rücklagen vermehren … Von dem Gesetzesentwurf besonders betroffen sei laut eigener Aussage der Arzneimittelgroßhandel (PHAGO).

Gesprächsbereitschaft

Laut dessen Verbandspräsidenten reiche der steigende Einsatz von extrem preisgünstigen Generika nicht mehr aus, die variablen Kosten abzudecken. „Schon jetzt liegt die Großhandelsspanne für die Hälfte aller Krankenkassen-Packungen unter den Porto-Kosten eines Standardbriefes (68 Cent). Wenn diese Entwicklung so weitergeht, können wir den Versorgungsauftrag als kritische Infrastruktur für Österreich nicht mehr aufrechterhalten“, erklärt Andreas Windischbauer. Alle Beteiligten, so wird betont, darunter Manuel Reiberg vom FOPI wie auch Wolfgang Andiel vom Generikaverband, seien weiter gesprächsbereit um den Gesetzesentwurf noch abzuändern.