Medizinwitz des Tages 1. Juli 2020

Deutschland altert und immer mehr Menschen erkranken an Demenz. 2050 könnte es dann schon fast 3 Mio. demente Patienten geben. Darauf müssen wir Deutschland vorbereiten und das tun wir mit der Nationalen Demenzstrategie ! Darin wurden auf breiter Basis 27 Ziele formuliert und dazu 160 Maßnahmen vorgeschlagen, um Deutschland demenzfreundlich zu machen. 2026 wird dann erstmals Bilanz gezogen.

Deutschlands Bundesminister Dr. Giffey, Spahn und Karliczek am 01.07.2020

Wenn in Österreich nicht mehr der Arzt entscheidet, welches Medikament der Patient bekommen soll, sondern nur mehr der Wirkstoff verschrieben wird, dann schafft man damit nur eine vermeintliche Flexibilität. Obwohl eine solche Verordnung in vielen anderen Ländern bereits existiert, gefährdet man dadurch in Wahrheit die Therapietreue und das Vertrauen in die Arzneimittel. Generell wird eine Folge davon sein, dass der Wettbewerb unter den Arzneimittelherstellern noch mehr angefacht wird.

Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs am 01.07.2020

Die Aut-idem-Regelung, wonach Apotheken ein anderes als das vom Arzt namentlich verordnetes, jedoch wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben dürfen, bringt mehrere große Sicherheitsprobleme mit sich. Zudem können Apotheken in Österreich mögliche Wechselwirkungen bei der Medikation der Patienten fachlich gar nicht einschätzen.

Österreichische Ärztekammer am 01.07.2020

Menschen mit Demenz gehören in die Mitte der Gesellschaft. Daran müssen alle arbeiten.

Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste am 01.07.2020

Impfen durch Apothekerinnen und Apotheker erfolgt bereits in 13 Ländern Europas und verbessert die Gesundheit der Bevölkerung. … Es muss das Ziel aller Gesundheitsberufe sein, eine höhere Durchimpfungsrate zu erreichen, damit sich die Gesundheit der Bevölkerung verbessert.

Österreichische Apothekerkammer am 01.07.2020

39 % der Österreicher waren in der Vergangenheit oder sind aktuell von einer psychischen Erkrankung betroffen. Für 65 % davon ist eine Behandlung nicht finanzierbar. Das ist erschütternd und zeigt den enormen Aufholbedarf bei der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Österreich.

Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen am 01.07.2020

Eine so große Operation wie der Einsatz eines neuen Hüftgelenks birgt auch das Risiko von Komplikationen oder Spätfolgen. Und Vorsicht: Wer danach seine Prothese überstrapaziert, riskiert, dass sie sich lockert und vorzeitig ausgewechselt werden muss. Lockerungen sind auch der häufigste Grund für einen vorzeitigen Prothesenwechsel. An 2. Stelle kommen Infektionen. So besteht in den ersten 2 Jahren nach der Operation ein erhöhtes Risiko, dass Bakterien das Implantat befallen. Dieses Risiko gilt es möglichst klein zu halten. Z.B können bei einer größeren Zahnbehandlung Bakterien über das Zahnfleisch ins Blut gelangen. Prothesenträger sollten deshalb eine Stunde vor der Zahnbehandlung sicherheitshalber ein Antibiotikum einnehmen. Ein erhöhtes Risiko für einen Keimbefall haben auch Diabetiker mit einem schlecht eingestellten Blutzuckerwert, Raucher und fettleibige Menschen.

Apotheken Umschau am 01.07.2020

Corona-Auswirkungen in Österreich durch mehr Psychotherapie auffangen

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie am 01.07.2020

In nahezu ganz Europa werden Statistiken über Schwangerschaftsabbrüche geführt und darauf aufbauend Überlegungen angestellt und Maßnahmen entwickelt. Nur in Österreich nicht.

Aktion Leben Österreich am 01.07.2020

ANMERKUNG: Für einen Medizinwitz des Tages müssen die genannten Fakten nicht unbedingt falsch sein. Es reicht schon, wenn aus Sicht der Frohmedizin die Richtung oder Konsequenz “absurd” ist …

Die medizinische Hölle

Die kann Ihnen passieren. Nach einem Unfall z. B., bei einer schweren Erkrankung. Darum lohnt es sich, die folgende Geschichte aufmerksam zu studieren. Es geht um eine Schweizer Fußballer-Legende. Einen Kopfballspezialisten des FC Zürich. Der mit 70 Jahren nicht mehr auf Leute reagieren konnte. Sie mit falschem Namen ansprach. Der zunehmend verwirrter wurde, sodass die Ehefrau Hilfe suchte.

Das ist normalerweise der Anfang vom Ende. Denn Hilfe sucht man automatisch bei Ärzten, in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. Und da musste das Ehepaar laut eigenem Bekunden „Höhen und vor allem Tiefen erleben – bei der Betreuung, in Spitälern und verschiedenen Pflegeeinrichtungen“. Und wörtlich:

Wir gingen durch die medizinische Hölle !

Warum das denn ?

  • Fritz Künzli war ein ehemals kräftiger Superkicker, Spitzensportler. Ihn ruhig zu halten, war fast ein Ding der Unmöglichkeit.
  • Je unruhiger er wurde, desto mehr Medikamente bekam er, um ihn ruhig zu stellen.

Ist soweit ein völlig normaler Ablauf. Scheint nur Außenstehenden seltsam. Und dann passierte auch das Übliche:

Das rief fatale Nebenwirkungen hervor: Fritz wurde noch verwirrter, bekam Panikattacken und daraufhin noch mehr Medikamente. Aber es wurde nichts besser.

Ja ja, die Psychopharmaka. Immer nur gut gemeint! Und als der Patient dann nach einem dreitägigen Kurzaufenthalt völlig verwahrlost, nass, apathisch, mit Joghurt an den Händen, im Gesicht und in den Haaren von der Ehefrau abgeholt wurde, fiel er in Ohnmacht …

In der Notfallabteilung des Hirslandenspitals war klar, dass Fritz wegen Flüssigkeitsmangel komplett dehydriert und übersediert war. Die Kombination „dehydriert und übersediert“ kannte auch ich noch nicht, ehrlich gestanden. Der Arzt dort muss einen guten Blick gehabt haben.

Der nächste Tiefschlag kam dann bei einer notwendigen, beidseitigen, Leistenoperation. Da passierte etwas ganz Typisches. Genau das gleiche Prinzip wie bei mir in letzten Sommer. Wieder Zitat der Ehefrau:

Durch die vielen Psycho-Medikamente, die mein Mann im Vorfeld nehmen musste, und die Narkose fiel er dann plötzlich ins Delirium ! Die Ärzte rieten mir am Morgen danach, sofort alle Medikamente abzusetzen und ihn mit nach Hause zu nehmen. Das war das Schlüsselerlebnis ! Endlich ein Arzt, der sagt, alle Medikamente absetzen (!).

Wieder zu Hause und dank einer Pflegefachfrau wurden die Entzugserscheinungen (der ach so hilfreichen Medikamente) immer weniger. Der demenzkranke Fritz K. versucht heute Tennis zu spielen, radelt auf seinem Hometrainer und nimmt wieder am gesellschaftlichen Leben teil. Nur richtig sprechen kann er noch immer nicht. Und wissen Sie, wie die lebenskluge Ehefrau das interpretiert?

Bei allem, was er erlebt hat, hat es ihm schlicht die Sprache verschlagen.

Sie finden an diesem “Einzelfall” eine verbreitete, ärztliche Erfahrung dargestellt:

  • Wenn es im Krankenhaus immer schlimmer wird, dann stoppen sie alle Medikamente und bringen den Patienten nach Hause.

Hat schon unzählige Male geklappt. Wir haben einfach zu viel Angst und zu wenig Vertrauen in uns selbst, zur Natur. Wissen Sie, was da hilfreich ist? Körpergefühl. Sport. Sportliche Wettkämpfe. Da lernt man einzuschätzen, was der menschliche Körper tatsächlich aushält.

QUELLE:  www.blick.ch/people-tv/schweiz

Rückenschmerzen häufigster Grund für Physiotherapie

Insgesamt 44 Mio. “Verordnungen für Heilmitteltherapien” wurden 2016 von allen Krankenkassen in Deutschland ausgestellt. Bei der AOK wiederum, die bundesweit rund 1 Drittel aller GKV-Versicherten betreut, haben laut dem neuem Heilmittelbericht 2017 des Wissenschaftlichen Institutes der AOK (WIdO) davon fast 63 % der Frauen Gebrauch gemacht. “Frauen haben zwar objektiv eine höhere Lebenserwartung als Männer, sie schätzen ihren Gesundheitszustand aber subjektiv schlechter ein und gehen daher auch häufiger zum Arzt oder Physiotherapeuten”, weiß Helmut Schröder vom WIdO.

Foto: obs / Wissenschaftliches Institut der AOK / AOK-Mediendienst

Wenngleich bei der sog. Heilmitteltherapie 88 % auf die Physiotherapie entfallen, gibt es daneben noch die Sprachtherapie, die Ergotherapie und die podologische Behandlung. Und der Hauptgrund einer Physiotherapie sind mit fast 40 % Rückenschmerzen.

Nehmen Frauen die Pille mangels Aufklärung ?

Wie nun die weltweit größte Verhütungsstudie „Tanco Report 2017“ enthüllte, kennen Frauen in Deutschland weniger Verhütungsmethoden als gedacht. Will heißen, im Schnitt nur 6 von 15 Methoden. Und gar 60 % aller verhütenden Damen könnten sich vorstellen auf eine Langzeitmethode zu wechseln, wenn sie darüber mehr wüssten. So komme es also, dass sich 61 % der Frauen gleichsam aus Gewohnheit ihr Pillenrezept in der Arztpraxis abholen. Und beim Frauenarzt findet laut dem Tanco Report 2017 „offenbar keine ausreichende Beratung über Langzeitmethoden“ statt.

Zahlen von 2015: Wo bleibt der Verhütungsfortschritt? (Infografik: obs / Jenapharm)

Der Grund klingt so überraschend wie plausibel: Die Ärzte schätzen das Wissen ihrer Patientinnen höher ein und das Informationsbedürfnis niedriger, als es tatsächlich ist. Laut dem Report 2017 sei das Wissen über die Wirkungsweise einzelner Methoden sogar „mehr als lückenhaft“. Nur 47 % der Kombipillen-Verwenderinnen wüssten, dass diese Methode den Eisprung verhindert. Und gerade einmal 14 % aller befragten Frauen sind darüber informiert, dass das Verhütungsschirmchen keine Östrogene enthält. Schlechte Kommunikation, wenig Eigeninitiative und Macht der Gewohnheit lauten die Gründe, warum es bei der Verhütung in Deutschland nicht mehr Vielfalt gibt.

„Und das, obwohl die Pille unverändert pannenanfällig ist“, wie die Studienleiterin Patricia Oppelt weiß. „Fast die Hälfte der Anwenderinnen hat die Pilleneinnahme in den letzten 3 Monaten mindestens einmal vergessen und jede 4. Frau musste schon einmal die “Pille danach” einnehmen.“ Wie gesagt, scheint eine Ursache des Informationsdefizits in Sachen Verhütung in einer mangelnden Arzt-Patientinnen-Kommunikation zu liegen. Dafür werden auch aussagekräftige Zahlen geliefert. So glauben die befragten Gynäkologen, dass Langzeitverhütung nur für 18 % der Frauen eine Option ist. Tatsächlich aber betrage diese Zahl mindestens 60 %.