Ausdauersport oder Kraftsport ?

Nehmen wir mal an, Sie erinnern sich stets an die News vom 21.06.2018, wonach der Lebensstil über Ihre Gesundheit und Lebensfreude entscheidet. Auf bayerisch: “Ihr Lifestyle”. Und nehmen wir weiters an, Sie haben verstanden, dass jedes Lebewesen auf dieser Welt – Ausnahme Mensch -instinktiv versucht, sich beim Lebensstil optimal zu verhalten. Sich also regelmäßig bewegt, sich absolut naturnah und frisch ernährt und des Öfteren mal träumt. Stichwort Wiederkäuer … Ein 4. Punkt ist mir diesbezüglich noch nicht eingefallen. Ihnen ?

Aber: Gibt es dabei Unterschiede ? Gibt es Lebensstile, die sich mehr lohnen als andere ? Heißt in unserem konkreten Fall:

Ausdauersport versus Kraftsport

Diese Frage ist intelligenter als sie zunächst scheint. Denn niemand geringerer als Prof. Gerhard Uhlenbruck (Immunologe, Marathonläufer, fast 90) sagt: “Nur die Muskelmasse bewirkt, dass man gesund ist !” Darüber denkt man dann natürlich nach. Erst recht, wenn man ein Läufer ist. Täglich durch den Wald huscht und ab und zu einen Marathon bewältigt.

Oder anders gefragt: Gibt es Kriterien, welcher Sport denn besser ist ? Dazu müsste man wohl Studien analysieren. Messkriterien wären z. B. “Schlankheit” oder “Fettverbrennung” oder “tiefes Cholesterin” oder “langes Leben”. Derartige Studien sind jedoch rar. Ich habe gerade auch keine parat …

Da kommt uns aber Prof. Ulrich Laufs (sollten Sie kennen) gerade recht. Ist inzwischen Professor für Kardiologie an der Uni Leipzig und beschäftigt sich schon seit langem mit den

Telomeren.

Faszinierend auch für mich, weil ich die Telomere für das wahre Kriterium halte, ob irgendein Sport, ob irgendeine Ernährung besser oder schlechter ist. Telomere sind bekanntlich die Endkappen der Chromosomen. Ihre Länge gilt als Marker für das biologische Alter eines Menschen. (News v. 28.04.2018) Unterhalb einer bestimmten Länge kann sich die Zelle nicht mehr teilen und stirbt …

Andererseits können Telomere durch ein Enzym, die Telomerase, auch wieder verlängert werden. Das ist per se schon eine unglaubliche Nachricht – oder vielleicht nicht ? Und genau um die Aktivierung dieses Enzymes, der Telomerase, geht es im Leben. So untersuchte Prof. Laufs 266 gesunde Nicht-Sportler um die 50 Jahre und konnte klar zeigen:

  • Krafttraining verändert die Telomere nicht.
  • Ausdauertraining (3 x pro Woche) verlängerte die Telomere um 3,5 %.

Joggen lohnt sich also. Lohnt sich mehr als Krafttraining. Endgültige Bestätigung ! Und Prof. Uhlenbruck würde wohl lächelnd einwerfen:

Der kluge Mensch macht natürlich Ausdauersport UND Kraftsport !

Damit hat er Recht. Wie immer.

QUELLE: Eur. Heart J, ehy 585, 28.11.2018

Das biologische Alter

Jung oder alt: Was wären Sie denn lieber? Die Wahrheit ist: Das haben Sie selbst in der Hand. Denn angeblich – so die Süddeutsche Zeitung am 02.03.2018 – ist das wahre Alter eines Menschen weniger eine Frage der Lebensjahre, sondern mehr der Biologie. Und … ganz überraschend für deutsche Medien: Diese Biologie ließe sich „in allerlei Körperflüssigkeiten“ messen. Messen !!

So im Blut, im Speichel und auch im Urin. Urin ist auch das Stichwort: Erschien kürzlich ein Bericht in „Frontiers in Aging Research“, dass chinesische Forscher das geheimnisvolle 8-Oxo-Gsn bestimmen können, das als Marker für oxidativen Stress gilt. Wozu das ? Die Forscher hätten nämlich zeigen können, dass dieser Marker „mit dem biologischen Alter zunimmt“. Aha.

8-Oxo-Gsn

Früher klang das noch anders:

1963 im „Scientific American“ wurde das Kollagen, also das Bindegewebe als Maß des biologischen Alters angesehen. Die Fasern dieses Proteins würden nämlich im Laufe der Jahre schwächer.

Dann gab’s 2009 den Nobelpreis für die Entdeckung der Telomere, also der Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Die verkürzen sich im Lauf der Jahre. Habe ich übrigens bei mir einmal messen lassen (in Barcelona). Streichelt die Seele. Wiederholte Messungen würden Ihren Lebensstil – hoffentlich – bestätigen. Denn wir können ohnehin das Schutzenzym Telomerase beliebig bilden, um die Telomere länger zu halten. Und wie man Telomerase vermehrt ? Na, raten Sie mal … (News vom 29.03.2017, 18.02.2010, 17.02.2010)

Die moderne Genetik nun hat behauptet, dass die Anzahl und das Muster der Mutationen, die zwingend auch unsere Gene betreffen, sich mit dem biologischen Alter verändern. Könne man auch als Maß verwenden …

Schlussendlich die Epigenetik. Da würden kleine Molekül-Gruppen wie Fähnchen an die Gene gehängt. Über das gesamte Erbgut verteilt. Diese Fähnchen sind Ein- oder Ausschalter der Gene. Das Muster würde sich im Lauf der Jahre verändern. Ja, freilich: Dieses Fähnchenmuster ist Epigenetik, hängt eindeutig von unserem Lebensstil ab !

Das FAZIT nun steht sozusagen in einer nagelneuen norwegischen Studie und ist für Sie hoffentlich keine Enttäuschung: Mediziner hatten nämlich 5.000 Norweger untersucht und dabei herausgefunden, dass Menschen, die

lebenslang Ausdauersport auf Wettkampfniveau

betreiben, biologisch betrachtet bis zu 20 Jahre jünger sein können als Gleichaltrige, die sich moderat oder gar nicht sportlich betätigen.

Nahezu bösartig ist wohl das Wort „moderat“, denn damit sind wir gemeint. Die Hobbysportler. Und die Spinner, die da auf Wettkampfniveau durch den Wald huschen, sind … die Glücklichen, die 20 Jahre jünger werden. Einfach so ! Was also das biologische Alter betrifft, so kommt es letztlich auf Ihre Lebensführung an. „8-Oxo-Gsn“ hin oder her …

Forever young 2017

Länger leben ist ein unbestimmter Begriff. Und in welchem Zustand? Im Rollstuhl? Daher war es bisher so schwierig, gültige Aussagen zu treffen. Auf die man sich selbst, auf das eigene Leben bezogen, verlassen könnte. Das hat sich geändert!

Seit der Entdeckung der Telomere haben wir ein Wort. Einen Maßstab!

Haben eine Basis, auf welcher sich das Motto “forever young” festmachen lässt. Sie erinnern sich: Telomere sind die Schutzkappen am Ende der Chromosomen. Die sich leider bei jeder Zellteilung (zeitlebens etwa 50) verkürzen. Bei einem schneller, bei anderen langsamer. Und wenn Sie aufgebraucht sind, ist der Mensch eben tot. Also geht es in Wahrheit darum, sich diese Schutzkappen zu erhalten. Oder wenigstens sie nur langsamer zu verbrauchen.

Das funktioniert: Und zwar durch Sport! Bewiesen schon 2010 an der Saar-Universität (News vom 18.02.2010). Gelingt zudem auch durch Multivitamine (News vom 29.06.2009), mit Meditation (News vom 04.09.2015) und sogar Omega-3 (News vom 06.10.2015) …

Die gleichen Forscher bringen heute, 2017, erneut gute Nachricht. Das Ganze funktioniert nicht nur bei Sportlern, sondern auch bei uns normalen Menschen, sobald wir vom Sessel aufstehen …

Unsportliche Menschen hatten 6 Monate lang 3 Mal pro Woche 45 Minuten Sport getrieben. Und prompt verlangsamte sich der Alterungsprozess. Verlangsamte sich der Abbau der Telomere. Genauer gesagt:

Schon minimaler (!) Ausdauersport verlangsamt die Verkürzung der Telomere.

Die gleiche Wirkung hat „intensives Intervall-Lauftraining“. Nicht ganz so wirksam ist Krafttraining. Fazit: „Regelmäßige körperliche Aktivität ist das beste Anti-Aging-Mittel“. Und jetzt kommt’s: Bei einigen Probanden waren die Telomere nach 6 Monaten sogar länger als vorher. Die Zellen waren also tatsächlich nach objektiven Maßstäben jünger als vorher! Neu ist ebenfalls der Zeitablauf: Schon eine einzige Trainingseinheit aktiviert das Schutzenzym Telomerase für 12 bis 24 Stunden. In diesem Zeitraum werden nach einmaligem Training die Telomere geschützt.

Anti-Aging-Training muss also regelmäßig sein. Präziser: Muss täglich stattfinden. Tag-täglich!

Da musste ich dann lächeln. Gab es da nicht vor gut 25 Jahren so einen Wanderprediger in Deutschland, der von „täglichem Laufen“ sprach? Und bei den etablierten Sportmedizinern nur Kopfschütteln erntete …