Medizinwitz des Tages 2. November 2020

Die Versorgungslage für Menschen mit Adipositas ist in Deutschland äußerst unbefriedigend. Die meisten Therapien beginnen erst dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist und Folgeerkrankungen auftreten.

AdipositasHilfe Deutschland am 02.11.2020

Ein Team von Wissenschaftlern der MedUni Wien konnte in einer im Top-Journal „Allergy“ veröffentlichten Studie zeigen, dass es bei einer Covid-19-Erkrankung mit mildem Verlauf 7 “Erkrankungsformen“ gibt. Diese Erkenntnisse könnten bei der Behandlung von Patienten und der Entwicklung eines potenten Impfstoffes eine wichtige Rolle spielen.

MedUni Wien am 02.11.2020

Ob der Diabetes die Nieren angreift, hängt auch von der erblichen Veranlagung ab.

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie am 02.11.2020

Auch manche rezeptfreien Medikamente können die Nieren schädigen, etwa Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure (ASS) und Naproxen.

Diabetes Ratgeber am 02.11.2020

Schon seit 10 Jahren nimmt die Onkologie die Spitzenposition in der biotechnologischen Forschung ein.  Die Suche nach neuen Therapieansätzen im Kampf gegen Krebs bleibt auch weiterhin der Schwerpunkt der  Forschung.

Verband der forschenden Pharma-Unternehmen am 02.11.2020

Krebs gehört zu jenen Erkrankungen mit einem hohen medizinischen Bedarf.

Amgen GmbH am 02.11.2020

Die operative Entfernung des Tumors, Chemotherapie und Bestrahlung sind nach wie vor die am häufigsten angewandten Therapien gegen Krebs.

Amgen GmbH am 02.11.2020

Nur 37 % der deutschen Männer benützen zur Analhygiene mehr als nur Toilettenpapier. 63 % gefährden also wegen mangelnder Analhygiene ihre Gesundheit.

Procty Clean GmbH am 02.11.2020

ANMERKUNG: Für einen Medizinwitz des Tages müssen die genannten Fakten nicht unbedingt falsch sein. Es reicht schon, wenn aus Sicht der Frohmedizin die Richtung oder Konsequenz “absurd” ist …

Heilung schadet der Wirtschaft

Die Goldman Sachs Group mit Sitz in New York ist die größte Bank der Welt. Gibt’s übrigens seit 1869. Steht für weltweites Investmentbanking und hat darum natürlich auch sehr kluge Analysten. Die haben Einsicht in Zusammenhänge, von denen wir (Provinz-)Ärzte … Darunter z. B. Frau Salveen Richter, ihres Zeichens Vizepräsidentin der Research Division. Betreut den aufstrebenden Sektor Biotechnologie im Bereich „Global Investment“. Und jetzt kommt’s:

Die verehrte Dame warnt die Pharmaindustrie vor „zu guten Präparaten“. Warnt auch vor Therapien, die wirklich helfen.

Denn, so ihr Argument:

Heilende Therapien sind wirtschaftlicher Selbstmord !

Meint man bei Goldman Sachs. Und sie beweist das recht eindrücklich am Beispiel des US-Konzerns Gilead Sciences, Inc. Die Kalifornier, wenn man so will, erzielten 2017 einen weltweiten Umsatz von über 26 Mrd. Dollar (Bilanzgewinn 4,6 Mrd.). 2016 wurde der Firma dann auch in Europa eine Gentherapie genehmigt, die Hepatitis C heilen sollte. In der deutschen Presseaussendung dazu heißt es:

Epclusa(TM) ist das erste und bislang einzige pangenotypisch wirksame, einmal täglich einzunehmende Single-Tablet-Regime in der Behandlung der chronischen Hepatitis-C-Infektion. Damit gibt es zusammen mit Sovaldi(TM) und Harvoni(TM) nun 3 Sofosbuvir-basierte Therapien aus dem Hause Gilead.
Die EU-Kommission hat Epclusa (Sofosbuvir 400 mg / Velpatasvir 100 mg) zur Therapie Erwachsener mit einer chronischen Hepatitis-C-Virus-Infektion der Genotypen 1 bis 6 zugelassen. Erstmals können nun Infektionen mit sämtlichen HCV-Genotypen mit einem Single-Tablet-Regime behandelt werden.

Und diese Therapie erreicht tatsächlich Heilungsraten von 90 %. Gilt in der Medizin als großartiger Erfolg. In diesem Fall ein Faktum. Folgerichtig lukrierte Gilead 2015 dank dieser Gentherapie allein in den USA 12,5 Mrd. Dollar. Machte damit also fast die Hälfte des jährlichen Umsatzes !

Doch seither sinken Umsatz und Gewinn von Jahr zu Jahr …

In der Analyse von Goldman Sachs heißt es, dass diese erfolgreiche (!) Behandlung von Hepatitis C den „Pool“ an Patienten erschöpft habe. Zum einen wurden die Patienten geheilt (echt unerhört so was !) und zum anderen wurde zugleich die Anzahl der Virusträger verringert, so dass der „Pool“ automatisch noch weiter abnimmt.

Die Folge: Auf lange Sicht dürfte der Biotechnologie-Riese pleitegehen. Weil sein Hauptprodukt zu erfolgreich ist. Weil der Konzern letztlich jeden Krankheitsträger von Hepatitis C heilt. Ei der Daus !

Zitat „Goldman Sachs“:

Das alles ist zwar gut für die Patienten, gut für die Gesellschaft, aber ein Problem, nämlich der Bankrott (dort höflich „challenge“ genannt) der Pharmafirmen, die schließlich auf anhaltenden Cash Flow (sustained cash flow) angewiesen sind.

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma ? Was würden Sie vorschlagen ? Einfach wie gewohnt schlecht wirkende Medikamente herstellen ? Oder wenn man schon so hoch wirksame Gentherapien entwickelt, dies nur für Krankheiten zu tun, wo der Pool (der Vorrat) an Patienten immer gleich bleibt oder sogar wächst. Als Beispiel wird dort Krebs genannt. Oder Hämophilie (Wachstumsrate jährlich 7%).

Ist das geschilderte Szenario nicht beeindruckend ? Auf die Idee, dass es zu gute Therapien (Medikamente) geben könnte, auf die Idee muss man als Arzt einmal kommen. Und dass man dadurch seinen Patienten-Pool verkleinert oder gar erschöpft …

Andererseits, solange es noch an fast jeder Straßenecke eine Bäckerei gibt, solange werden wir Ärzte noch genügend zu tun bekommen. Und dann gibt’s schließlich auch noch den „Erkältungsmarkt“. Der ist bekanntlich ebenfalls ein gigantisches Geschäft … Oder, wenn wirklich alle Stricke reißen, dann könnte auch gelten, was das “Länger besser leben.”-Institut an der Universität Bremen so zu sagen pflegt:

Auch Gesundes kann gefährlich sein !

Zum Nachdenken: Bitte bleiben Sie krank ! (News v. 19.10.2018)

Nieren reinigen täglich 300 Mal das Blut

Rund 80.000 Patienten in Deutschland sind dauerhaft auf Dialyse angewiesen. Eine Aufgabe, die normalerweise die Nieren übernehmen – und zwar 300 Mal am Tag. Darauf macht das Biotechnologie-Unternehmen Amgen anlässlich des sog. Weltnierentag am 8. März aufmerksam. Zudem erfolgen alljährlich rund 2.100 Nierentransplantationen in Deutschland.

sHTP hat Folgen

Die Nieren filtern wie gesagt schädliche Stoffe aus dem Blut, damit diese über den Urin wieder aus dem Körper geschleust werden können. Die Nieren reinigen aber nicht nur das Blut, sondern sie regulieren auch den Wasserhaushalt, den Blutdruck, den Hormonhaushalt und das Säure-Basen-Gleichgewicht des Körpers. Arbeitet eine Niere nicht mehr richtig, so kann das Bluthochdruck, Blutarmut und Knochenerkankungen zur Folge haben.

Eine häufige Begleiterscheinung einer chronischen Nierenerkrankung ist der sekundäre Hyperparathyreoidismus (sHPT): Nimmt die Nierentätigkeit ab, so wird auch die Regulierung von Vitamin D, Kalzium und Phosphat – alle 3 sind essentiell – beeinträchtigt und in weiterer Folge Kalzium und Phosphat aus den Knochen freigesetzt. Und laut Amgen würden dann mit einer sHPT-Erkrankung verkalkte Gefäße, Herz-Kreislauf-Komplikationen sowie schwere Knochenschäden einhergehen.

Krebs Hauptaufgabe der medizinischen Forschung ?

Krebs löst unter Deutschlands Bürgern die größten Ängste aus. Ganze 75 % der Bundesbürger fürchten sich vor dieser Krankheit. Vor Asthma z.B. nur 21 % und vor Diabetes nur 14 %. Am wenigsten Angst hat man in Deutschland vor Migräne und Bluthochdruck. Das ergab eine Umfrage der Biotechnologen von Amgen. Und dass das Thema Krebs derart ängstigt, dürfte auch daran liegen, dass viele Bürger die Krankheit aus dem Bekanntenkreis kennen.

V i d e o

Brustkrebs, Darmkrebs, Hautkrebs oder Leukämie – die Ausprägung und die befallene Region im Körper sind verschieden, doch sie alle lösen die gleichen düsteren Vorstellungen aus. Aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen, dass jedes Jahr in Deutschland etwa 480.000 Menschen erstmals an Krebs erkranken. Diese Zahl dürfte bis 2030 sogar „um mindestens 20 %“ noch steigen. Und die Amgen-Studie bestätigt: Fast jeder Zweite (47 %) ist selbst schon an Krebs erkrankt oder kennt jemanden, der mit dieser Krankheit zu kämpfen hatte.

Nur Bluthochdruck ist mit 48 % noch weiter verbreitet. Folglich wünschen sich auch 95 % der Betroffenen und 86 % aller Deutschen, dass die Krebsforschung vorangetrieben wird. Der Studie zufolge ist die Krebsforschung das am wichtigsten eingestufte Forschungsgebiet. Es folgt mit 70 % der Kampf gegen Alzheimer und mit 50 % der Kampf gegen Schlaganfälle. Laut Amgen halten 69 % der Bundesbürger die Ausrottung von Krebs als „die Hauptaufgabe der gesamten medizinischen Forschung“ …

Verändert Regenerative Medizin die Gesundheitsbranche radikal ?

Regenerative Behandlungsmethoden wie die Stammzell- oder Gentherapie versprechen eine vollständige Heilung von Krankheiten, die mit Arzneimitteln bisher nur behandelt werden konnten. Trifft das ein, so wird das laut den Unternehmensberatern von Roland Berger, für die Gesundheitsbranche einen radikalen Wandel mit sich bringen – ganz besonders für die Pharmaindustrie. Denn deren Geschäftsmodell basiert auf der mitunter jahrelangen Einnahme von Medikamenten.

Rosige Zeiten für die Regenerative Medizin … (Infografik: obs / Roland Berger)

Hingegen werden regenerative Behandlungsmethoden hauptsächlich von Kliniken und speziellen Anbietern entwickelt. Roland Berger zufolge scheint die Pharmaindustrie also “einen Markt neuer Therapien” zu verschlafen, der rasant wächst. Von 2020-2025 voraussichtlich um sogar 33 % pro Jahr. Die Regenerative Medizin wird hauptsächlich von Biotech-Firmen betrieben und verspricht neue Therapien für Krankheiten wie Krebs, genetische Anomalien oder Autoimmunerkrankungen. Schon jetzt erlaube es etwa die Stammzelltherapie, geschädigtes Körpergewebe zu erneuern (bis hin zum Ersatz ganzer Organe). Damit, so Roland Berger, verschiebt sich der Fokus von der Behandlung bestimmter Krankheiten hin zur Heilung!

Derzeit habe der Markt für Regenerative Medizin weltweit ein Volumen von 20 Mrd. €. Bis 2025 dürften es 130 Mrd. € sein, ergab die Studie “Regenerative medicine – The next generation of therapeutic products is set to shake up the pharmaceutical world”. Regenerative Behandlungen würden zudem für Patienten maßgeschneidert und müssten auch vor Ort durchgeführt werden. Roland Berger rät daher Pharmakonzernen zu Partnerschaften mit Biotech-Firmen und klinischen Forschungsgruppen sowie ihre Infrastruktur zu überdenken. Für die Regenerative Medizin sei es wichtig, dass Produktion und Anwendung eng kooperieren – auch räumlich.