Schulmedizin aktuell am 19. September 2019

Belgien

Laut der University of Leuven haben 68,8 % der Belgier mit Verdauungsproblemen wie Blähungen oder Durchfall zu kämpfen, darunter 12 % sogar täglich. Davon  betroffen zeigen sich deutlich mehr Frauen (78,3 %) als Männer (58,7 %) und insgesamt glauben 17 %, dass sie an einem Reizdarm leiden. (Cramer-Gesundheit-Consulting GmbH, 19.09.2019)

Deutschland

Eine Zahnbürste reinigt nur 60 % der Zahnoberflächen, weil die Zahnzwischenräume erreicht sie nicht. Doch immerhin 35 % der Deutschen reinigen ihre Zahnzwischenräume 1-2 Mal am Tag. Eine professionelle Zahnreinigung lassen 20 % 2 Mal oder noch öfter im Jahr machen, 34 % 1 Mal,  14 % alle 2 Jahre und 31 % nie. Der Hälfte dieser letzten Gruppe geht es ums Geld. Würde aber die Krankenkasse bezahlen, so würden 73 % diese Prophylaxe nutzen. (TePe D-A-CH GmbH, 19.09.2019)

Infografik: TePe D-A-CH GmbH

Das Reizdarmsyndrom ist auch in Deutschland ein Volksleiden. (Barmer, 19.09.2019)

Zu den auffälligsten Veränderungen in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten gehören verklumpte Eiweiß-Ablagerungen, sog. Amyloid-Plaques. Man dachte lange Zeit, dass dieses Amyloid zum Krankheitsprozess gehört. Aber das war falsch. Jeder Mensch produziert Amyloid – sogar von Geburt an ! Die Amyloid-Kaskaden-Hypothese besagt, dass Amyloid ganz klar der Auslöser von Alzheimer ist. Und wenn sich das Amyloid-Plaques einmal gebildet hat, dann folgt alles Weitere unabhängig davon. Dann breiten sich z.B. sog. TAU-Proteine aus, also weitere Ablagerungen an den Nervenzellen. Das Amyloid ist damit zwar der Auslöser der Erkrankung, aber nicht die einzige Ursache. (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, 19.09.2019)

Okka Gundel ist seit 2012 die 1. Botschafterin der Alzheimer Forschung Initiative. (Foto: Alzheimer Forschung Initiative)

Wie die Krankheit Alzheimer funktioniert und wie sie zu verhindern ist, dass kann man nur an Patienten studieren, die noch komplett gesund sind. Dazu braucht man auch nicht 5.000 neue Medikamente, sondern man sollte die bereits verfügbaren Medikamente noch einmal richtig und früh genug testen. Die sind nämlich gar nicht so schlecht, wie sie oft gemacht werden. Der Münchner Molekularbiologe Prof. Dr. Christian Haass arbeitet heute daran, die Immunzellen des Gehirns gezielt zu aktivieren, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Sein Team ist da schon relativ weit, aber es gibt auch viel Konkurrenz. Fast alle großen Pharmafirmen forschen an Alzheimer. (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, 19.09.2019)

Gesundheit und Wohlergehen der Menschen hängen ganz wesentlich vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ab. Klimaschutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz. Es ist unsere ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen und uns für die Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele einzusetzen. (Bundesärztekammer, 19.09.2019)

Resistente Bakterien und Wirkstoffe gelangen vor allem über das Abwasser kommunaler Kläranlagen sowie über Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen in die Umwelt. Das ist ein großes Problem, denn resistente Keime können sich in der Umwelt vermehren und ihre Resistenzgene auf andere, und für den Menschen gefährliche Krankheitserreger, übertragen.  Der VDI setzt sich daher dafür ein, dass vor allem die technische Entwicklung von effizienten Verfahren zur Entfernung von Antibiotika in Kläranlagen, Stallungen und bei Biogasanlagen stärker gefördert wird. (Verein Deutscher Ingenieure, 19.09.2019)

90 % der Deutschen befürworten den Einsatz von Gentechnik, einem Teilgebiet der Biotechnologie, wenn es um die Behandlung schwerer Krankheiten geht. (Amgen GmbH, 19.09.2019)

Die Gefahr für gesunde Menschen in Deutschland, durch die Narkose einen lebensbedrohlichen gesundheitlichen Schaden zu erleiden oder sogar zu versterben, liegt bei 7 zu 1,000.000. (DGAI, 19.09.2019)

43 % der deutschen Frauen über 50 haben 1 Mal Sex pro Woche oder sogar öfter. Über 40 % davon geben an, den Sex auch mehr zu genießen als früher, weil sie sich (von Kindern) ungestört fühlen und auch nicht mehr an Verhütung denken müssten. (Bauer Media Group, Meins; 19.09.2019)

Österreich

Aktuell leiden bereits 25 % der Österreicher an einer arteriellen oder venösen Gefäßerkrankung. Dadurch steigt das Risiko einer schwerwiegenden Gefäßerkrankung – wie Schlaganfall oder Aneurysma der Bauchschlagader – ab dem 60. Lebensjahr dramatisch an. Dabei könnten viele Gefäßerkrankungen durch Vorsorge, regelmäßige Untersuchungen und rechtzeitige Behandlung verhindert werden. (Gefäßforum Österreich, 19.09.2019)

Eine Studie konnte zeigen, dass regelmäßiger Sport sogar bei Menschen mit genetischer Disposition das Auftreten von Alzheimer hinauszögern kann. Das heißt, Menschen, die genetisch ein großes Demenzrisiko haben, können mit Sport aktiv etwas dagegen unternehmen. (MedUni Wien, 19.09.2019)

Ein unausgewogener Lebensmittelkonsum bedingt Übergewicht, hohen Blutdruck und hohe Blutfettwerte. Diese Folgen wiederum sind maßgeblich für Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich, die eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt darstellen. Ein gesunder Lebensstil und die richtige Ernährung wirken einem Tod durch Herz-Kreislauferkrankungen entgegen und sind ein wichtiger Ansatzpunkt in der Therapie. (Österreichische Gesellschaft vom Goldenen Kreuze, 19.09.2019)

Wieso bekommen Afghanen in Wien teure Suchttherapien ? (FPÖ Wien, 19.09.2019)

Österreichs Gesundheitssystem 2016 wieder 1,24 Mrd. € teurer

Die Gesundheitsausgaben der Schulmedizin einschließlich der Kosten für die Langzeitpflege haben 2016 in Österreich 36,88 Mrd. € betragen und damit 10,4 % (2015: 10,3 %) vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das meldet die Statistik Austria in einer Aussendung. Gegenüber 2015 sei das ein Anstieg um 1,24 Mrd. €. Die Zahlen wurden übrigens nach der Berechnungsmethode des System of Health Accounts ermittelt.

Verwaltung 4,2 %, Prävention 2,2 %

Davon werden 74,1 % (27,3 Mrd. €) öffentlich finanziert, das heißt von Bund, Ländern, Gemeinden sowie den Sozialversicherungen getragen. Die restlichen fast 10 Mrd. € bezahlten private Haushalte, freiwillige Krankenversicherungen, private Organisationen sowie Unternehmen. Mit den 10,4 % des BIP liegt Österreich im OECD-Vergleich auf dem 10. Platz, soll heißen „nahezu gleichauf mit Belgien und Dänemark und im oberen Mittelfeld der 35 OECD-Mitgliedstaaten“. Der OECD-Durchschnitt beträgt 9 % des BIP, jener der 22 EU-Mitgliedstaaten in der OECD 8,8 % des BIP.

Der größte Brocken im „Gesundheitssystem“ sind traditionell die Leistungen der Spitäler, Kur- und Pflegeheime sowie Rehabilitationseinrichtungen und haben 2016 in Österreich 15,3 Mrd. € oder 41,5 % aller Ausgaben betragen. Davon haben 9,26 Mrd. € „ambulante Leistungen“ betroffen. Weitere 17 % (6,24 Mrd. €) wurden für sog. pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Gebrauchs- und Verbrauchsgüter (u. a. Medikamente und Hilfsmittel aller Art) ausgegeben. Die restlichen Ausgaben verteilten sich u.a. auf die häusliche Langzeitpflege (7,1 %), die Verwaltung (4,2 %), und sogar „die Prävention“ (2,2 %).

Gesundheitssystem in Österreich zum Wundern – Weniger gesunde Lebensjahre !

Obwohl das Gesundheitssystem in Österreich alljährlich zig Milliarden Euro kostet, aber gleichzeitig Herr und Frau Österreicher weniger gesunde Lebensjahre haben als in anderen Ländern, stehe es dennoch auf soliden Beinen und würde funktioniere. Das war der Tenor einer Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner und Sozialminister Alois Stöger (beide SPÖ) mit der Präsentation einer „Effizienzstudie“ der London School of Economics. Nicht nur der Zugang zum Gesundheitssystem sei gegeben, sondern auch insgesamt die Zufriedenheit in der Bevölkerung hoch, versicherte auch der Studienleiter Elias Mossialos.

Health expenditure in Austria … (Foto: BKA / BPD / R. Aigner)

Der Universitätsprofessor plädiert daher nur „für aufeinander aufbauende Veränderungen, statt einer Revolution“. Zudem seien die Verwaltungskosten hierzulande „deutlich niedriger“ als in Ländern mit vergleichbaren Systemen wie den Niederlanden, Belgien oder der Schweiz. Für den Experten sei auch wichtiger die Qualität des Systems weiter zu verbessern, als eine Diskussion über die Anzahl der Sozialversicherungen in Österreich zu führen . Es sei „ein alarmierendes Faktum“, dass die Bürger in Österreich „deutlich weniger gesunde Jahre“ verbringen.

Nun sei die Politik gefordert, weil ansonsten die Kosten für ältere, chronisch Kranke in den nächsten Jahrzehnten explodieren werde. Die Lebenserwartung der Österreicher wird zwar bis 2030 um 2 bis 2,5 Jahre steigen – in anderen Ländern aber weitaus mehr. Die Gesundheitsministerin plant daher eine Stärkung der Prävention, um die Anzahl der gesunden Jahre in Österreich sogar deutlich zu erhöhen. Rendi-Wagner: „Jeder Euro, der in Prävention fließt, ist gut angelegt“. Weiters will die Ressortchefin durch eine Bundesagentur österreichweit gleiche Standards in den Spitälern sicherstellen.

Themenverfehlung ?

Für Österreichs Pharmaindustrie wiederum stellt die Studie um satte 630.000 € „eine klare Themenverfehlung“ dar, denn laut Regierungsvorhaben hätten „ganz konkret Kostendämpfungs- und Einsparungsmöglichkeiten in den Bereichen Verwaltung und Beschaffung erhoben werden sollen“. UND: „Obwohl Österreich mit 10,4 % des BIP zu den EU-Ländern mit den höchsten Gesundheitsausgaben zählt, sind der Bevölkerung deutlich weniger gesunde Lebensjahre vergönnt als anderen EU-Bürgern.“