Hälfte der deutschen Pflegekräfte denkt an Ausstieg

Wegen der aktuellen Rahmenbedingungen denken 54 % der deutschen Pflegekräfte über den Ausstieg aus ihrem Beruf nach. Das ergab der 1. Pflexit Monitor der Paul Hartmann AG. Für 72 % sei der andauernde Personalmangel und die damit verbundene hohe Arbeitsbelastung der Grund. Und nur 35 % würden diesen Job wiederwählen oder ihn weiterempfehlen.

Infografik: obs / Paul Hartmann AG

“Der Pflegeberuf muss in vielerlei Hinsicht aufgewertet werden“, findet Chima Abuba. Konkret meint der Geschäftsführer von Paul Hartmann Deutschland in Bezug auf Verantwortung, Gehalt und Ausbildung. “Ansetzen könnte man bei der Bezahlung, einer Reform der Pflegeausbildung oder der Akademisierung der Pflege. Und während in den vergangenen Jahren in Deutschland immer mehr Ärzte eingestellt wurden, stieg die Anzahl an Pflegekräften trotz zunehmender Patientenzahlen nicht im gleichen Maße. Laut Bertelsmann Stiftung könnten bis 2030 in der Pflege rund 500.000 Vollzeitkräfte in der Pflege.

Pflegekräfte würden auch oft nur als Helfer des Arztes angesehen. “Dabei könnte die Übertragung heilkundlicher Tätigkeiten dem Pflegebereich einen deutlichen Schub geben“, glaubt Raimund Koch von Paul Hartmann. Schon jetzt erlaube das Pflegeerweiterungsgesetz von 2008 eine Wundversorgung wie das Ausstellen von Rezepten. „Das wäre ein Schritt in Richtung Aufwertung und Gleichberechtigung des Pflegebereichs gegenüber Ärzten oder Apothekern. Doch wegen des sehr komplexen Prozesses wären die ersten Modellprojekte erst 2020 möglich.“