Pharmafirmen sponsern Österreichs Ärzte mit 22 Millionen € im Jahr

Laut Transparency International – Austrian Chapter (TI-AC) gilt das Gesundheitswesen eines Landes als besonders korruptionsanfällig. Daher hatten sich 2013 die Pharmafirmen im europäische Branchenverband EFPIA verpflichtet, „Zuwendungen“ an medizinische Einrichtungen wie auch Ärzte offen zu legen. Auch Österreichs Branchenverband Pharmig hatte sich 2014 dazu bekannt, nur geschah laut TI-AC bisher aber so gut wie nichts. „Von den 22,4 Mio. €, die 2015 direkt an Ärzte flossen, wurden nur 3,8 Mio. € mit dem Namen des Empfängers publiziert“, kritisiert Österreichs Vorsitzende Eva Geiblinger.

Österreichs Pharmafirmen sponsern aber auch Patienteninitiativen ... (Infografik: LBI HTA / mmp; www.multimediaproduktione)
Österreichs Pharmafirmen sponsern aber auch Patienteninitiativen … (Infografik: LBI HTA / mmp; www.multimediaproduktione)

Die Offenlegung der übrigen 18,6 Mio. € sei „aggregiert ohne Namens-nennung“ erfolgt. Laut Geiblinger begrüßt das TI-AC die freiwillige Initiative des Pharmig, jedoch zeige diese – wie befürchtet – kaum Wirkung. „Daher ist eine verpflichtende gesetzliche Regelung analog zum Sunshine Act in den USA dringend notwendig.“ So hätten 2015 „nur 69 von 115“ Pharmig-Mitgliedern ihre Geldleistungen an das heimische Gesundheitswesen auch offen deklariert.

Für TI-AC sei diese Praxis schlicht „Augenauswischerei“. Der Branchen-verband Pharmig reagierte in einer Aussendung auf die Vorwürfe und sprach von einem erst eingeleiteten „Kulturwandel“. Beim Geld gebe es in Österreich schnell eine Neiddebatte, so deren Generalsekretär Jan Huber. Zudem mache das geltende Daten-schutzrecht die Einwilligung der begünstigten Ärzte notwendig. Laut Pharmig sei an der (kritisierten) Zusammenarbeit aber ohnehin „nichts Verwerfliches“ zu finden.