Medizinwitz des Tages 6. November 2020

Die Sicherstellung einer solidarischen Gesundheitsversorgung ist ein Grundbedürfnis des Menschen und gilt als oberstes Ziel eines erfolgreichen Gesundheitssystems.

Praevenire Gesellschaft am 06.11.2020

Österreich hat bei chronischen Erkrankungen einen hohen Aufholbedarf.  So liegt etwa bei Diabetes die Zahl der Amputationen deutlich über dem Niveau anderer Länder.  Derzeit haben 2,5 Mio. Österreicher dauerhafte Gesundheitsprobleme.

Praevenire Gesellschaft am 06.11.2020

ANMERKUNG: Für einen Medizinwitz des Tages müssen die genannten Fakten nicht unbedingt falsch sein. Es reicht schon, wenn aus Sicht der Frohmedizin die Richtung oder Konsequenz “absurd” ist …

Österreichs Pharmig fleht Effektivität von Antibiotika zu erhalten

Angesichts einer kürzlich erschienenen Publikation des Center for Disease Dynamics, Economics & Policy (CDDEP) appelliert der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) – an wen auch immer, die Effektivität von Antibiotika zu bewahren. Denn je öfter diese eingesetzt würden, desto „drastischer“ sei das Vorkommen von Resistenzen. Daher seien auch Lösungen zur Verbrauchssenkung nötig!

Der steigende Antibiotikaverbrauch war dann auch am Abend ein Thema in der ZiB 1 des ORF … (Foto: ORF)

Beim Pharmig hält man Antibiotika für eine „große Errungenschaft der Medizin“, wodurch bakteriell verursachte Infektionskrankheiten wirksam geheilt würden. „Gerade vor dem Hintergrund, dass der Gesamtverbrauch von Antibiotika bis zum Jahr 2030 weltweit um bis zu 200 % steigen könnte, müssen wir alles daransetzen, dass Antibiotika auch in Zukunft ihre Wirkung nicht verlieren“, findet Pharmig-Generalsekretär Jan Huber.

In Österreich sei deren Verbrauch von 2000 bis 2015 zwar nur um 15 % gestiegen, aber resistente Bakterien würden sich nicht an Staatsgrenzen halten, sondern seien ein globales Problem. In Österreich sei darum der seit 2013 eingesetzte nationale Aktionsplan NAP-AMR überarbeitet worden. Laut Huber ist dabei „die umfassende Aufklärung“ über den sachgerechten Gebrauch von und den Umgang mit Antibiotika eine der wichtigsten Maßnahmen. „Da haben wir in Österreich noch Aufholbedarf“, so der Pharmig-Generalsekretär.

Intensive Forschungen

Weltweit werde in der Antibiotikaentwicklung jedenfalls „intensiv an neuen Produktklassen“ geforscht. Derzeit befänden sich 10 Antibiotika in der späten klinischen Entwicklung. Zudem werde an 13 klinischen bakteriellen Impfstoffkandidaten gearbeitet, an 18 AMR-relevanten Diagnostika sowie „weiteren präventiven Therapien“ gearbeitet. Aber auch Impfungen könnten dabei helfen, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren …

Manifest “Gesundheit neu denken!“ für Österreich vorgestellt

Ein Gremium aus Gesundheitsexperten hat für Österreich die Anforderungen an das Gesundheitssystem der Zukunft im Manifest Gesundheit neu denken! zusammengefasst. Für Martin Gleitsmann von der WKO ist der Knackpunkt dessen Finanzierung. „Mit 10,2 % des BIP ist das heimische Gesundheitssystem teuer. Aber trotz dieser hohen Ausgaben und einer extrem hohen Dichte an Ärzten wie Spitalsbetten wird das Ziel besonders vieler gesunder Lebensjahre nicht erreicht.” Es gelte daher mehr Selbstverantwortung der Menschen zu erreichen und ihre Gesundheitskompetenz zu stärken.

Kulturwandel zur Eigenverantwortlichkeit

Zugleich habe man auch einen Aufholbedarf bei der Transparenz und Effizienz des Gesundheitssystems. Das zeige ein internationaler Vergleich. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte, fordert einen “Kulturwandel zur Eigenverantwortlichkeit“. Die Bürger und Patienten müssten sich als Mit-Produzenten ihrer Gesundheit verstehen. “Dabei geht es nicht nur um die Individualtherapie, sondern auch um die Primärversorgung. Von 1.000 Fällen sind 900 durch Selbsthilfe zu lösen, zeigen Statistiken.”

IHS-Gesundheitsökonom Thomas Czypionka kritisierte, dass im Gesundheitssystem die Möglichkeit zu experimentieren fehlt. „In der Theorie weiß man Vieles, was richtig wäre. Doch im Feld wird das nicht getestet. Daher fordern wir in unserem Manifest auch einen Experimentierparagrafen, der den Freiraum bietet, Erfahrungen zu sammeln.“ Für Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, behindern “Kompetenzwirrwarr und unterschiedliche Finanzierungslogiken” die Qualität für die Patienten. Dringend nötig sei daher “Entrümpelung-Reform”.