Alkoholsucht ist knallharte Biochemie

Laut Bundesgesundheitsministerium greifen fast 95 % der erwachsenen Deutschen regelmäßig (!!) zu einem Gläschen Alkohol. An dieser Verniedlichung von Glas, also Gläschen, erkennt man übrigens die wahren Alkoholliebhaber. Aber, die verstehe ich nur zu gut. Denn, was der Öffentlichkeit nicht so bekannt ist: Ich durfte einige Jahre für den Fressführer Gault & Millau “recherchieren” und habe in dieser Zeit natürlich auch Alkohol „getestet“. Das war damals und aus meiner Sicht eine sehr wohl ernsthafte Arbeit ! Die hatte ich genossen …

Ich krame das hervor, weil soeben ein außerordentlich informatives und auch vernünftiges Büchlein zum Thema Alkoholsucht erschienen ist. Von einer ehemaligen Alkoholikerin ! Die Verfasserin Gaby Guzek äußert sich darin sehr kompetent zum Thema, weil biochemisch … Ihre Grunderkenntnis lautet:

Alkoholismus ist eine Stoffwechselstörung.

Erinnert mich sehr an Depression. Aus gutem Grund. Und weil sie es so schön erklärt, zitiere ich hier einfach wörtlich:

Das Gehirnbotenstoff-System eines Alkoholikers sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Die dämpfenden Signalstoffe fehlen, genau wie die Glücksbringer. Die Belohnungsbotenstoffe pendeln auf Minimalniveau, ihre nervös machenden Kollegen hingegen sind überreichlich vorhanden. Heißt übersetzt: Alkoholiker fühlen sich ständig gestresst und nervös, oft genug grundlos. Immer auch schlecht gelaunt … Und wenn dann alles nur noch irgendwie zäh und anstrengend erscheint, dann ist es fast logisch, sich abends ein „verdientes“ Gläschen zu genehmigen. Für ein paar Stunden ist die Welt dann wieder in Ordnung.

Die Nährstoffmedizin ist seit über 25 Jahren mein Steckenpferd. Ich machte mich also auf die Suche und setzte als Erstes bei den beruhigenden Neurotransmittern an: GABA, Glycin und die übrigen Entspanner. Das Praktische dabei: Diese Botenstoffe sind ziemlich einfach gestrickte Eiweißbausteine. Jeder bessere Fitness-Shop verkauft sie.

Das Ganze hat hervorragend funktioniert. Es hat ein wenig gedauert, bis ich meine beruhigende Aminosäuren-Kombination herausgefunden hatte. Das Ergebnis aber konnte sich dann sehen lassen: Das Team aus

GABA
Glycin
Taurin
Theanin
Phosphatidylserin
Tryptophan

war für mich wirklich unschlagbar !

Gerne erwähne ich, dass Sie Theanin schon aus den News 24.02.2016 kennen dürften und Phosphatidylserin als Lecithin besser bekannt ist. In der Sprache meiner klugen Frau: 10 Eidotter pro Tag ! (News 15.03.2021)

Guzeks FAZIT des Buches steht dann auch zusammengefasst auf der Rückseite von „Alkohol adé“:

Alkohol bringt die Nervenbotenstoffe des Körpers durcheinander. Es ist knallharte Biochemie, die den Betroffenen immer öfter und immer mehr trinken lässt – und keine Willensschwäche.

Da haben wir sie wieder: Die Molekularmedizin. Unsere Frohmedizin !

QUELLE: „Alkohol adé“ von Gaby und Dr. med. Bernd Guzek (ISBN 978-3-200-06844-5)

Zum Nachlesen:  Nach 2 Wochen ohne Alkohol (News 29.09.2018)

Nach 2 Wochen ohne Alkohol

“Alkohol ist dein Sanitäter in der Not, Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot …”, sang einst Herbert Grönemeyer. Doch Frohmedizin schafft das noch viel besser. Auf modern: die Epigenetik. Also ein anderer Lebensstil ! Dabei klingt Lebensstil etwas unwissenschaftlich. Wenig seriös. Zu einfach. Doch es ist genau die Lebensweise, die uns tatsächlich den Zugang zu besserer Gesundheit, mehr Lebensenergie und mehr Lebensfreude verschafft.

Dazu hatte ich Ihnen kürzlich berichtet, wie schnell sich das Leben zum Positiven verändert, wenn man zu rauchen aufhört. (News vom 27.08.2018). Nun frägt mich ein kluger Mensch per E-Mail: “Und wie ist das beim Alkohol?” Hab’ ich mich gefreut und belesen. Was dabei herausgekommen ist, finden Sie unterhalb aufgelistet. Also der Verzicht auf Alkohol bewirkt

nach 2 Wochen:

  • besserer und tieferer Schlaf
  • geringere Kalorienzufuhr und leichteres Abnehmen
  • höhere Leistungsfähigkeit
  • mehr Selbstbewusstsein durch das Umsetzen des Vorhabens
  • Verbesserung des Immunsystems
  • Stressabbau

nach 1 Monat:

  • Senkung des Blutdrucks
  • Verbesserung der Haut
  • Steigerung der Lebensenergie

nach 6 Wochen:

  • Stabilisierung / Verbesserung der körperlichen und psychischen Gesundheit
  • Verbesserung der Blutwerte
  • weniger finanzielle Ausgaben

nach 3 Monaten:

  • geistige Klarheit
  • mehr Selbstbewusstsein
  • besseres Körpergefühl
  • Verbesserung der Gesundheit (Blut, Psyche, Haut, Immunsystem etc.)
  • mehr Antrieb und Motivation deutlich spürbar
  • Spaß an Nüchternheit beginnt !
  • neue Hobbys und neue Kontakte durch neue Lebensweise
  • mehr Lust und höhere Potenz
  • emotionale Stabilität

Bitte, glauben Sie das! Denn beim Alkoholkonsum kann ich nicht mitreden. Da fehlt mir die persönliche Erfahrung. Aber kann es sein, dass diese Verbesserungen der Lebensweise etwas “unmodern” sind ? Immerhin trinken 9 von 10 Deutschen regelmäßig Alkohol. Und die Definition der WHO von “Alkoholiker” ist ebenfalls mehr als eindeutig (News vom 05.09.2017).

PS: Das besagte Lied von 1984 ist aber KEINE Lobeshymne auf den Alkohol. So heißt es dort dann auch: “Alkohol ist das Schiff, mit dem du untergehst …”

Jeder Tropfen Alkohol

Ist Gift. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt jeder Mann als Alkoholiker, der täglich mehr als 1 halben Liter Bier trinkt oder 1 Viertel Wein. Für Frauen gilt sogar die Hälfte. Aber was mich so richtig amüsiert: Zu meiner Zeit an der Universität war noch die zwei‐ bis dreifache Menge völlig unbedenklich. Ganz offensichtlich hat man Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, da jahrzehntelang belogen … Und tut es natürlich weiter.

Alkohol ist eine Droge. Die ganz massiv dazu beiträgt, dass jeder 3. Deutsche an Krebs erkrankt. Hierzu gibt Studien in Hülle und Fülle. So die Heidelberger Krebs‐Studie, die zeigt, dass Männer wegen 2 Glas Wein 2,3‐fach mehr Kehlkopfkrebs und 3,6‐fach mehr Mundhöhlenkrebs bekommen verglichen mit Männern, die (nur) 1 Glas Wein trinken. Interessant:

Den Vergleich mit 0 Glas Wein, also dem Sollzustand, den gibt es nicht.

Bei Frauen ist die Wirkung von Alkohol noch viel schlimmer: mehr als 1 Viertel Liter Bier oder 1 Achtel Liter Wein pro Tag lässt das Risiko für Kehlkopfkrebs um das 18‐fache hinaufschnellen. Aber auch schon weniger als 1 Achtel Liter Wein pro Tag (also fast gar nix) erhöht das Brustkrebsrisiko …

Alles bekannt, nur eben nicht der beruhigt Alkohol konsumierenden Bevölkerung.

Lustiger klingt da schon Univ.-Prof. J. Böning, der einmal klar Stellung nahm zur sogenannten gesundheitsfördernden Wirkung von Alkohol. Die gäbe es nämlich nur in wenigen Ausnahmefällen bei “älteren Männern mit Herzinfarkt‐ oder Schlaganfallrisiko”, aber: “Der Effekt wird maßlos überschätzt”. Bei dieser Risikogruppe sei es genauso wirkungsvoll, abends einmal um den Block zu gehen.

Abends einmal um den Block gehen … ! Das Marketing der Alkoholindustrie ist einzigartig, finde ich. Davon könnte auch die Tabakindustrie noch einiges lernen …

Aber im Ernst: Bitte vergessen Sie nie, dass Alkohol reiner, schnellst-wirkender Zucker ist. Daher gibt’s auch den unvermeidlichen Bierbauch sogar bei Marathonläufern. Viele von denen kennen diesen Grund einfach nicht: „Die wenigen Kalorien lauf ich doch morgen weg“, heißt es dann oft. Allerdings: Erstmal wird die Fettverbrennung gestoppt. Die ganze Nacht. Und ob das Fett am nächsten Nachmittag so leicht verschwindet … ?