Österreichs Pharmig fleht Effektivität von Antibiotika zu erhalten

Angesichts einer kürzlich erschienenen Publikation des Center for Disease Dynamics, Economics & Policy (CDDEP) appelliert der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) – an wen auch immer, die Effektivität von Antibiotika zu bewahren. Denn je öfter diese eingesetzt würden, desto „drastischer“ sei das Vorkommen von Resistenzen. Daher seien auch Lösungen zur Verbrauchssenkung nötig!

Der steigende Antibiotikaverbrauch war dann auch am Abend ein Thema in der ZiB 1 des ORF … (Foto: ORF)

Beim Pharmig hält man Antibiotika für eine „große Errungenschaft der Medizin“, wodurch bakteriell verursachte Infektionskrankheiten wirksam geheilt würden. „Gerade vor dem Hintergrund, dass der Gesamtverbrauch von Antibiotika bis zum Jahr 2030 weltweit um bis zu 200 % steigen könnte, müssen wir alles daransetzen, dass Antibiotika auch in Zukunft ihre Wirkung nicht verlieren“, findet Pharmig-Generalsekretär Jan Huber.

In Österreich sei deren Verbrauch von 2000 bis 2015 zwar nur um 15 % gestiegen, aber resistente Bakterien würden sich nicht an Staatsgrenzen halten, sondern seien ein globales Problem. In Österreich sei darum der seit 2013 eingesetzte nationale Aktionsplan NAP-AMR überarbeitet worden. Laut Huber ist dabei „die umfassende Aufklärung“ über den sachgerechten Gebrauch von und den Umgang mit Antibiotika eine der wichtigsten Maßnahmen. „Da haben wir in Österreich noch Aufholbedarf“, so der Pharmig-Generalsekretär.

Intensive Forschungen

Weltweit werde in der Antibiotikaentwicklung jedenfalls „intensiv an neuen Produktklassen“ geforscht. Derzeit befänden sich 10 Antibiotika in der späten klinischen Entwicklung. Zudem werde an 13 klinischen bakteriellen Impfstoffkandidaten gearbeitet, an 18 AMR-relevanten Diagnostika sowie „weiteren präventiven Therapien“ gearbeitet. Aber auch Impfungen könnten dabei helfen, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren …

“Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz” für Deutschland

In Deutschland hat ein Experten-Team aus Wissenschaft und Praxis rund um Doris Schaeffer und Ullrich Bauer von der Universität Bielefeld Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einen „Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz” übergeben. Eine kürzlich veröffentlichte Studie ergab, dass 54 % der Bürger eine „eingeschränkte Gesundheitskompetenz“ aufweisen und nur 7 % eine sehr gute.

Der Bundesgesundheitsminister mit den Proponenten bei der Übergabe … (Foto: obs / /Hertie School of Governance / Anita Back)

“Gesundheitskompetenz” definiert die Universität Bielefeld als das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen ausfindig zu machen, zu verstehen, zu beurteilen und zu nutzen, um die Gesundheit erhalten, sich bei Krankheiten die nötige Unterstützung durch das Gesundheitssystem sichern oder sich kooperativ an der Behandlung und Versorgung beteiligen und die dazu nötigen Entscheidung treffen zu können. International spreche man von „Health Literacy“.

Zwar stünden heute so viele Gesundheitsinformationen wie noch nie zur Verfügung, was allerdings die Sache noch erschweren würde. So gebe es auch 3 Qualitätssiegel für medizinische Internetseiten, jedoch seien diese 84 % der Bevölkerung erst recht unbekannt. “Was wir in Deutschland brauchen sind evidenzbasierte, transparente und für Laien verständliche Gesundheitsinformationen, aber auch Akteure im Gesundheitswesen, die sie vermitteln können”, sagte der Mitinitiator Kai Kolpatzik (AOK).

Empfehlungen 1-5 vom Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz (Foto: MHJ)

Laut dem Aktionsplan soll Gesundheitskompetenz als Standard auf allen Ebenen des Gesundheitssystems verankert werden. Das gesamte System müsse einen Paradigmenwechsel vollziehen und sich im Vorsorge-, Behandlungs- und Versorgungsprozess auf den Patienten ausrichten, so die Experten. Weitere Aktionsfelder würden chronisch kranke Menschen betreffen sowie den systematischen Ausbau der Forschung zum Thema Gesundheitskompetenz, ohne die ein Fortschritt auf diesem Gebiet nicht denkbar sei.