Schulmedizin aktuell am 6. September 2019

Deutschland

Die Bundesärztekammer hat die von ihr im gesetzlichen Auftrag geführte Informationsliste zu Schwangerschaftsabbrüchen nach § 13 Abs. 3 Schwangerschaftskonfliktgesetz aktualisiert. Die Liste mit Ärzten, Krankenhäusern und Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche unter den Voraussetzungen des § 218a Absatz 1 bis 3 Strafgesetzbuch durchführen, befindet sich seit dem Start des Registrierungsverfahrens am 29. Juli 2019 im Aufbau. Mit der Liste ermöglicht der Gesetzgeber, dass Ärzte, Krankenhäuser und Einrichtungen über Leistungen zum Schwangerschaftsabbruch informieren können, ohne Gefahr zu laufen, gegen strafrechtliche Vorgaben zu verstoßen. (Bundesärztekammer, 06.09.2019)

Die Bundesrepublik sollte nach Meinung des Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, in der Diskussion über Eingriffe ins Erbgut eine Führungsrolle übernehmen. Es sei allerhöchste Eisenbahn, international Standards zu setzen und eine Debatte zu führen. Analog zum Klimawandel sollte es laut Dabrock auch globale Konferenzen zu Keimbahneingriffen geben. (Apotheken Umschau, 06.09.2019)

In Deutschland nehmen in etwa 94 % der über 65-Jährigen innerhalb eines Jahres eine ambulante ärztliche Versorgung in Anspruch. 26 % verzeichnen zumindest einen Aufenthalt im Krankenhaus. (Robert Koch-Institut, 06.09.2019)

Immer häufiger setzen Ärzte in Deutschland künstliche Implantate und Prothesen ein. Patienten erhoffen sich dann durch diese Ersatzteile im Körper eine deutliche Besserung der Gesundheit und Beweglichkeit. Doch was passiert, wenn Implantate und Prothesen zerbrechen, sich im Körper verschieben oder einfach nicht funktionieren ? (Südwestrundfunk, 06.09.2019)

Die Digitalisierung von Arbeitsabläufen macht Krankenhäuser und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen auch verwundbarer. Darum mussten die Betreiber solch kritischer Infrastrukturen im Gesundheitswesen dem BSI auch bis 30. Juni nachweisen, dass ihre IT-Sicherheit auf dem Stand der Technik ist. (TÜV Süd AG, 06.09.2019)

Die Zusammenarbeit der GN Hearing mit Google im Bereich der Hörgeräte ermöglicht hörgeschädigten Menschen direktes Streaming von Musik, Telefonaten und anderem Sound. Erstmals können sie Klänge von ihren kompatiblen Android Mobilgeräten in ihre ReSound Hörgeräte mit Bluetooth Low Energy streamen. GN Hearing und der Weltmarktführer für Hörimplantate, Cochlear, gaben zusammen mit Google diese Weltneuheit bekannt. (GN Hearing GmbH, 06.09.2019)

Österreich

Der Trend der Individualisierung in der Orthopädie schreitet voran: Auch Wirbelsäulenoperationen erfolgen nun – dank Software und 3D-Druck – zusehends auf Zehntelmillimeter genau berechnet. Immer mehr Materialien, die bei orthopädischen Operationen Verwendung finden, werden heutzutage ganz individuell an den Patienten angepasst. Nach dem “persönlichen Knie” und der maßgeschneiderten Schulterprothese erreicht die Individualisierung nun auch die Wirbelsäule. (Orthopädisches Spital Speising Wien, 06.09.2019)

Prof. Dr. Petra Krepler ist Leiterin des Wirbelsäulenzentrums Wien-Speising.  (Foto: Orthopädisches Spital Speising / J. Pree)

In Österreich kann man zu Recht stolz auf das solidarische Gesundheitssystem sein. Durch die wachsende, alternde und vermehrt multimorbide Gesellschaft steigen aber die Ansprüche an eine ausgeglichene Gesundheitsversorgung, wodurch die Situation immer schwieriger wird. Das macht ein Gegensteuern dringend notwendig. (Österreichische Ärztekammer, 06.09.2019)

Seit Jahren kämpft dm drogerie markt um das Recht zum Verkauf von rezeptfreien Arzneimitteln (OTC) in der Drogerie, zweimal hat der Verfassungsgerichtshof einen Antrag auf Prüfung des Apothekenmonopols aus formalen Gründen abgelehnt. Mit einem neuen Anwaltsteam will dm nun eine inhaltliche Entscheidung der Verfassungsrichter herbeiführen. Weiterhin stellt dm dabei die Frage, ob es mit den Grundrechten der Erwerbsfreiheit und des Gleichheitsgrundsatzes vereinbar ist, dass Drogisten keine rezeptfreien Arzneimittel wie Bepanthen, Supradyn (!) oder Wick-Vaporub verkaufen dürfen, auch wenn sie dieselben Standards bei Beratung und Verbraucherschutz erfüllen wie österreichische Apotheken. In Österreich darf “dm” nicht einmal alle Eigenmarken-Produkte vertreiben, die für den EU-Markt produziert werden. (dm drogerie markt GmbH, 06.09.2019)

Es ist kaum rechtfertigbar, Drogerien vom Vertrieb rezeptfreier Arzneimittel auszuschließen, obwohl sie genauso wie Apotheken in der Lage wären, die Arzneimittelsicherheit zu gewährleisten und den Kunden qualifizierte Beratung anzubieten. Die Bestellung rezeptfreier Arzneimittel bei einer Online-Apotheke ist in Österreich erlaubt, ohne dass jemand dagegen Bedenken hätte, dass die Qualität der Arzneimittel auf dem Versandweg beeinträchtigt werden könnte oder dass die Kunden über die Eigenschaften des Arzneimittels online nicht ausreichend beraten werden könnten. Warum es dann aber verboten sein soll, dasselbe Arzneimittel in einer Drogerie zu erwerben, wo ideale Lagerbedingungen herrschen und nicht nur telefonische, sondern sogar persönliche Beratung in Anspruch genommen werden kann, ist sachlich nicht zu begründen. (Tschurtschenthaler Rechtsanwälte GmbH, 06.09.2019)

Mit dem Wandel zur Informationsgesellschaft wird auch im Gesundheitswesen das Phänomen der Spezialisierung wirksam. Faktisch alle medizinischen Fachbereiche erfahren Untergliederungen. Ein Paradebeispiel ist die ursprünglich gemeinsame Disziplin „Neurologie und Psychiatrie“, die sich später aufspaltete. Die Neurologie erlebte in der Folge die Aufgliederung in eine neuromuskuläre und neurovaskuläre Disziplin. Die Psychiatrie wiederum erfuhr Auffächerungen wie Akutpsychiatrie, Suchtmedizin, Gerontopsychiatrie, Forensische Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie. (Dr. Christoph Zulehner, 06.09.2019)

Derzeit sind etwa 8.000 Seltene Erkrankungen bekannt. Von so einer “Rare Disease” sind rund 400.000 Österreicher betroffen. (AM Plus – Initiative für Allgemeinmedizin, 06.09.2019)

In Österreich leiden rund 220 (!) Menschen – davon mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche – an Duchenne-Muskeldystrophie, einer seltenen und nach wie vor unheilbaren Muskelerkrankung, die primär Buben betrifft. Duchenne-Muskeldystrophie ist die häufigste Muskelerkrankung im Kindesalter. (Österreichische Muskelforschung, 06.09.2019)

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