Schulmedizin aktuell am 27. Dezember 2019

Deutschland

Der Jahreswechsel bringt wieder wichtige Neuregelungen im Gesundheitsbereich mit sich, die es lohnt, zu kennen. U.a. wird es Apps auf Rezept geben, mehr Geld für Zahnersatz und eine Masernimpfpflicht für Kinder. Konkret dürfen Ärzte und Psychotherapeuten ab 01.01.2020 ausgewählte Gesundheit-Apps auf Rezept verordnen. Dazu zählen z.B. Anwendungen, die beim regelmäßigen Einnehmen von Medikamenten helfen oder mit denen sich Blutzuckerwerte dokumentieren lassen. (Stiftung Gesundheitswissen, 27.12.2019)

Weiters dürfen Ärzte ab 2020 über ihr Angebot an Videosprechstunden auf ihrer Internetseite informieren. Ab 01.01.2020 können auch Daten zur persönlichen Gesundheit pseudonymisiert zu Forschungszwecken an den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung übermittelt werden – und zwar ohne, dass der Patient widersprechen kann. Dessen Forschungsdatenzentrum soll damit 30 Jahre und länger arbeiten können, wenn es etwa um den Kampf gegen Demenz, Krebs oder andere Erkrankungen mit einer langen symptomfreien Zeit geht. (Stiftung Gesundheitswissen, 27.12.2019)

Für viele Patienten wird es 2020 neue Behandlungsmöglichkeiten geben, denn Pharma-Firmen haben für zahlreiche Medikamente die EU-Zulassung beantragt oder kürzlich erhalten. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen rechnet daher für 2020 in Deutschland mit der Markteinführung von über 30 Medikamenten mit neuem Wirkstoff. 2019 waren es 25. So könnten 2020 gleich mehrere neue Antibiotika verfügbar werden, die auch bei Bakterien mit Resistenzen gegen ältere Medikamente wirksam sind. Als weitere Mittel gegen Infektionskrankheiten könnten neue Impfstoffe gegen Cholera und Hepatitis B sowie Mittel gegen HIV-Infektionen herauskommen. (Verband der forschenden Pharma-Unternehmen, 27.12.2019)

2020 dürften auch 25 % der neuen Medikamente gegen eine Krebserkrankung gerichtet sein. Der Fokus liegt dabei auf seltenen Krebsarten wie akuter myeloischer Leukämie, Myelofibrose, Multiplem Myelom, tenosynovialen Riesenzelltumoren oder blastischen plasmazytoiden Neoplasien dendritischer Zellen. Neue Behandlungsmöglichkeiten könnten auch gegen Brust-, Prostata- und Magenkrebs sowie nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom dazukommen. Medikamente für Patienten mit Gerinnungsstörungen bleiben weiter auf der Agenda der Pharma-Unternehmen. Statt Hämophilie A und B (wie in den letzten Jahren) stehen nun die Thrombozytopenie (Blutplättchen-Mangel) und idiopathischer thrombozytopenischer Purpura (autoimmuner Zerstörung von Blutplättchen) im Fokus. (Verband der forschenden Pharma-Unternehmen, 27.12.2019)

Laut einer Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit wollen 2020 56 % der Deutschen mehr Sport treiben und 53 % sich gesünder ernähren. Doch die meisten guten Neujahrsvorsätze scheitern an “zu viel, zu schnell oder zu weit”. Wichtig ist auch sein Vorhaben so exakt wie möglich zu formulieren. Statt der Absicht “Ich will mehr Sport treiben” sollte man sich lieber “Am Samstagvormittag gehe ich von nun an immer laufen”. (Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, 27.12.2019)

Niederlande

Viele Menschen mit Depressionen tun sich schwer, zu einem Therapeuten zu gehen. Über 50 % der Betroffenen ist deshalb nicht in Behandlung. Ein Online-Angebot kann ein 1. Schritt zu einer guten Versorgung sein, denn internetgestützte Therapieangebote können ähnlich gut wirken wie persönliche Gespräche. (Freie Universität Amsterdam, 27.12.2019)

Österreich

“Als in geradezu absurder Weise durch die Eigeninteressen der Apothekerkammer motiviert und eindeutig gegen die Gesundheitsversorgung auf dem Land gerichtet“, bezeichnet die ÖÄK den aktuellen Vorstoß der Österreichischen Apothekerkammer, wonach die ärztliche Hausapotheke die schlechteste und am wenigsten nachhaltige Lösung sei und daher nicht den Bestand der öffentlichen Apotheken gefährden dürfe. Denn tatsächlich ist es genau umgekehrt. (Österreichische Apothekerkammer, 27.12.2019)

In den letzten 3 Jahren verlor Österreich durch Verbauung jährlich rund 4.000 ha Agrarflächen. Das entspricht z.B. einem Verlust von 24 Mio. kg Brotgetreide. Für den Brotkonsum werden rund 85 kg Getreide pro Kopf und Jahr benötigt. Somit wird in Österreich in 1 Jahr das Brotgetreide für fast 300.000 Konsumenten verbaut. (Österreichische Hagelversicherung VVaG, 27.12.2019)

Diese Entwicklung ist fahrlässig, denn sie gefährdet massiv die Ernährungssouveränität Österreichs. Das Land hat bei Brotgetreide bereits jetzt nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 86 %, bei Kartoffeln von 80 %, bei Gemüse nicht einmal mehr 50 % und bei Soja sogar nur noch 15 %. (Österreichische Hagelversicherung VVaG, 27.12.2019)

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