Schulmedizin aktuell am 17. Juli 2019

Europa

Anlässlich der Wahl von Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin, erinnert der deutsche BPI daran, dass es in Europa “insbesondere auch im Gesundheitsbereich noch viel zu tun gibt”. Neben der Finalisierung des EU-HTA sollte die Kommission auch dafür sorgen, dass die europäische pharmazeutische Industrie auch in Zukunft innovativ und europäisch bleibt. Anreize für Forschung und regulatorische Schutzinstrumente seien ebenso wichtig für die Versorgungssicherheit der Patienten wie eine adäquate Ausschreibungspraxis für die europäischen Standorte. (Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, 17.07.2019)

Laut PwC-Bericht übersteigt die Zahl der neuen Arzneimittelzulassungen in den USA die Zulassungen in der EU. So wächst die Kluft angesichts der zunehmenden Konkurrenz aus China und Fernost weiter. Denn in Europa setzen hohe Produktionskosten, sinkende Arzneimittelpreise und strenge gesetzliche Regularien pharmazeutische Unternehmen zunehmend unter Druck. In weiterer Folge verlagern viele Pharmafirmen ihre Herstellungsstätten in wirtschaftlich günstigere Regionen außerhalb Europas. Diese Entwicklung tritt auch in vielen anderen Branchen auf. Von der pharmazeutischen Industrie in Europa wurden 2016 noch 2,5 Mio. Arbeitsplätze getragen und unterstützt. (Pharmig, 17.07.2019)

Deutschland

Der VLK wehrt sich gegen die Bertelsmann Studie zur Neuordnung der Krankenhaus-Landschaft. Diese sei vielmehr eine unfaire Kampagne gegen Krankenhäuser. Mit Blick auf eine bedarfsgerechte Krankenhauslandschaft sei die Hoffnung verbunden, dass die pauschale Verunglimpfung kleinerer und mittlerer Krankenhäuser – ohne jeden Bezug zur Qualität ihrer Arbeit – eingestellt wird. Nach dem Prinzip Aussagen regelmäßig zu wiederholen, bis die Illusion der Glaubwürdigkeit entsteht, hat man hier erneut medienwirksam Botschaften lanciert, die der Fachmann schwer und der Laie gar nicht durchschaut. An Hand von komplexen Diagnosen wie Operation eines Pankreaskarzinoms, Herzinfarktbehandlung oder Hüft-Reoperationen, für die kleinere Krankenhäuser natürlich nicht geeignet sind, wird deren gesamte Existenzberechtigung hinterfragt. Verschwiegen wird, dass diese ganz andere Versorgungsaufgaben wie die Behandlung älterer multimorbider Patienten mit Herzinsuffizienz, Pneumonie oder anderen Erkrankungen haben, die sie qualitativ hochwertig und wohnortnah erfüllen. (Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands, 17.07.2019)

Mit dem Kabinettsentwurf zum MDK-Reformgesetz wird auch die Dauerbaustelle Krankenhausabrechnungen angegangen. Nach wie vor inakzeptabel ist allerdings die Einführung einer Prüfquote für Krankenhausrechnungen, die in der Spitze auf 15 % begrenzt ist. Versicherten dürfte das wohl kaum schlüssig zu erklären sein. Diese Prüfquote muss deutlich erhöht werden. (BKK Dachverband, 17.07.2019)

Bis zu 60 % der geprüften Krankenhausabrechnungen in Deutschland waren und sind fehlerhaft. Doch damit nicht genug: Sind derzeit bei einer nachgewiesenen Falschabrechnung durch die Krankenkassen 25-50 % der Differenzsumme zurückzufordern, sollen diese Strafabschläge in Zukunft mit maximal 1.500 € gedeckelt werden. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Jedes Jahr zahlen die Gesetzlichen Krankenkassen Milliarden für die Leistungen der Krankenhäuser. Doch wenn die Kassen zukünftig die korrekte Verwendung dieser Gelder überprüfen wollen, machen sie sich mit diesen Neuregelungen einfach nur lächerlich. (AOK Nordost, 17.07.2019)

Was ist Neuropsychologie ? Die neuropsychologische Diagnostik gibt nicht nur Aufschluss über die vorliegenden Einschränkungen, sondern dient als Grundlage für eine gezieltere Einordnung der Erkrankung und der Planung kognitiver Therapien. Das kognitive Training dient der Aktivierung von Hirnarealen, die bei psychiatrischen Störungen unteraktiviert sind und mit den beeinträchtigten Denkvorgängen in Zusammenhang stehen. Ein solches Programm kann helfen, zum Beispiel die Orientierung in Situationen mit vielen Ablenkungen oder die Planungsfähigkeit zu verbessern. Das wird besonders relevant, wenn es um die Wiedereingliederung in das Berufsleben geht. Denn kognitive Störungen bleiben oft länger bestehen als die psychische Störung selbst. (Max-Planck-Institut für Psychiatrie, 17.07.2019)

Anlässlich der Zustimmung des Bundeskabinettes zum sog. Apothekenstärkungsgesetz fodert der B.A.H., dass verschreibungspflichtige Arzneimittel von den Apotheken in Deutschland an alle Versicherten zum gleichen Preis abgegeben werden. Die Arzneimittelpreisbindung müsse demnach sowohl für in- und ausländische Versandapotheken als auch für gesetzlich Versicherte und Privatversicherte gelten. Von dem Grundsatz “Gleiche Preise bei Arzneimitteln” hat der Gesetzgeber derzeit abgesehen und insbesondere Privatversicherte, Selbstzahler und Beihilfeberechtigte ausgenommen und der EuGH 2016 das deutsche Arzneimittelpreisrecht für ausländische Apotheken gekippt. (Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller, 17.07.2019)

MDK-Reformgesetz vernachlässigt die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland: Ein Meniskusschaden wird heute meist ambulant operiert. Doch wie sieht es aus, wenn eine Patientin betagt ist und durch zusätzliche Erkrankungen wie Hypertonie und Adipositas die Mobilisation nach der Operation erschwert ist? Wenn zu Hause niemand ist, der sie unterstützen kann – im Gegenteil: Der leicht demente Ehemann braucht selbst Hilfe, eine Aufgabe, die normalerweise seine Frau übernimmt. Aus Sicht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) ist der Fall klar: Auch diese Patientin kann ambulant versorgt werden. Bleibt sie wegen einer Drainage, der Gabe von leichten Schmerzmitteln und zur krankengymnastischen Betreuung für 2 Tage stationär im Krankenhaus, handelt es sich um eine Fehlbelegung. (Deutscher Evangelischer Krankenhausverband, 17.07.2019)

Der Markt für ästhetische Behandlungen boomt. Minimalinvasive Verfahren wie Botulinum- und Fillerbehandlungen führen dabei die Statistiken bei Umfragen ärztlicher Fachgesellschaften an. Leider lockt die scheinbar unkomplizierte Anwendung auch unqualifizierte Behandler auf den Plan. Dabei dürfen nur approbierte Ärzte mit Fillern und Botulinum behandeln, Heilpraktiker eingeschränkt mit Fillern. Allen anderen Berufsgruppen, auch Kosmetikerinnen, sind invasive Behandlungen mit Botulinum und Fillern untersagt. Botulinum ist in Deutschland verschreibungspflichtig, Filler hingegen nicht. (Deutsche Gesellschaft für ästhetische Botulinum- und Fillertherapie, 17.07.2019)

“In der Politik ist man eigentlich dauernd unausgeschlafen.” So erklärt die deutsche Politikerin Sarah Wagenknecht u.a. ihr Burnout. (Brigitte, 17.07.2019)

Österreich

Anlässlich der Ausstellung “Psychiatrie – Tod statt Hilfe“ in Wien gib es rege Diskussionen über die Rolle von psychiatrischen Gutachten bei Strafprozessen. Aktuelle Beispiele sind ein Grazer Amokfahrer und erst 16-jährige Mörder der 7-jährigen Hadishat G.. Bei diesen Straftaten wurden mehrere psychiatrische Gutachter beauftragt, doch in beiden Fällen würden sich die psychiatrischen Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit der Täter widersprechen. So oblag es letztendlich “Laien-Jury” zu einem Urteil zu kommen. (Bürgerkommission für Menschenrechte, 17.07.2019)

Bei MedAustron wird seit 2,5 Jahren die Ionentherapie zur Krebsbehandlung erfolgreich angewendet. Wurden die Patient bisher ausschließlich mit Protonen behandelt, so steht ab sofort auch die Therapie mit Kohlenstoffionen zur Verfügung. Diese Form eröffnet neue Chancen bei bisher schwer oder gar nicht behandelbaren Tumoren. Damit steigt MedAustron in die Riege der weltweit 6 Zentren auf, die Tumore sowohl mit Protonen als auch mit Kohlenstoffionen bekämpfen können. (EBG MedAustron GmbH, 17.07.2019)

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