Schulmedizin aktuell am 16. Dezember 2019

Deutschland

Mit dem Apothekenfinder 22 8 33 lassen sich zu Weihnachten und Silvester schnell und unkompliziert die jeweils Nacht- und Notdienst leistenden Apotheken überall in Deutschland finden. Rund 1.300 Apotheken versorgen nachts, sonntags und an allen Feiertagen die Menschen jederzeit mit dringenden Arzneimitteln. Der Apothekenfinder 22 8 33 wird pro Jahr rund 15 Mio. Mal für solche Apothekensuchen in Anspruch genommen, davon fast 14 Mio. Mal online über das Verbraucherportal www.aponet.de. (ABDA, 16.12.2019)

Für pflegebedürftige Menschen oder pflegender Angehöriger stehen in Deutschland zahlreiche Zuschüsse zur Verfügung. Da jedoch der bürokratische Dschungel dazu undurchdringbar erscheint und auch die Krankenkassen dazu eher dürftig beraten, bleiben oftmals viele Fragen unbeantwortet. Folgende 10 Zuschussvarianten sind möglich: Pflegesachleistungen, Pflegegeld, Kombinationsleistungen, Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Wohnumfeldverbesserungen, Hilfsmittel auf Rezept, Hausnotruf sowie Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. (Verband Pflegehilfe GmbH, 16.12.2019)

Laut KZBV-Jahrbuch 2019 ging 2018 die Anzahl der Zahnfüllungen in Deutschland um 1,7 % auf knapp 50 Mio. zurück. Das kann als ein Indiz für die weitere Verbesserung der Mundgesundheit samt Umorientierung hin zu einer präventionsorientierten Versorgung gesehen werden. (Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, 16.12.2019)

Rein zahnärztliche Medizinische Versorgungszentren (Z-MVZ) unter Kontrolle von Fremdinvestoren stehen für die Gefahr einer versorgungsschädlichen Kommerzialisierung des Gesundheitswesens in Deutschland. 2018 stieg deren Zahl nochmals auf 658 an. 2020 dürfte es dann sogar 907 MVZ geben. Diese erzeugen eine Sogwirkung auf niederlassungs- und anstellungswillige junge Zahnärzte in Ballungsgebieten und lassen in Kombination mit dem demografischen Wandel Engpässe auf dem Land und in strukturschwachen Gebieten entstehen. (Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, 16.12.2019)

Die Erfahrungen aus 17 europäischen Märkten mit dem E-Rezept zeigen, dass die Apotheken in Deutschland davon profitieren können – wenn sie diesen Weg und Prozess offen mitgestalten. Zentralistisch gestaltete Konzepte allerdings orientieren sich oft nicht an den Bedürfnissen der Patienten und sind dadurch auch weniger erfolgreich. Aber genau das müsste getan werden: sich auf die  Patienten ausrichten. Der Patient entscheidet, ob das E-Rezept ein Erfolg wird in Deutschland. (pro AvO, 16.12.2019)

Der Patient als mündiger Kunde: Dieses Bild prägt die Vorstellungen vieler Branchenvertreter, wenn es um das deutsche Gesundheitswesen im 21. Jahrhundert geht. Deutsche Patienten sind im internationalen Vergleich auch grundsätzlich offen für digitale Anwendungen, nutzen diese allerdings noch zurückhaltend. Doch 73 % von ihnen würden wieder auf den “digitalen Doktor” bzw. einen virtuellen Arztbesuch zurückgreifen. 36 % der Befragten wären bereit, Daten mit ihrem Arzt zu teilen – jedoch mit folgenden Bedingungen: Transparenz über die Verwendung der Informationen, kein Missbrauch zu kommerziellen Zwecken, sicherer Schutz vor Datendiebstahl, keine Weiterleitung an Dritte wie z.B. Arbeitgeber. (Deloitte, 16.12.2019)

Die übliche Prozedur zur Herstellung von Impfstoffen lautet: Erreger für den jeweiligen Impfstoff werden in embryonierten Hühnereiern produziert und gezüchtet. Sind diese hergestellt, werden sie abgetötet oder abgeschwächt (attenuiert), mit Verstärkerstoffen bearbeitet und gereinigt. Das Verfahren ist aufwendig, zeitintensiv und umstritten, da es u.a. bei Menschen mit Hühnereiweiß-Allergie zu Nebenwirkungen führen kann. Der neue Grippeimpfstoff CiFlu der Cilian AG hingegen wird auf Basis von Wimperntierchen, die in normalen Gewässern zu finden sind, hergestellt. Die Einzeller werden in einem biotechnologischen Prozess so umprogrammiert, dass sie die Oberflächenproteine des Grippevirus produzieren. Es wird also nicht mehr der gesamte Erreger hergestellt und anschließend abgetötet, sondern nur Teile seiner äußeren Hülle: Das Oberflächenprotein Hämagglutinin. Dieses macht den Virus für das menschliche Immunsystem über längere Zeit erkennbar. (Cilian AG, 16.12.2019)

Österreich

Schätzungsweise 150.000 Österreicher sind medikamentensüchtig. Die Medikamentensucht ist aber nur ein Teilbereich des Alltagsdopings. Daneben werden auch illegale Substanzen wie Kokain missbraucht ebenso wie Alkohol. (API Betrieb gGmbH, 16.12.2019)

Hunderte Kinder kamen mit ihren Teddybären, Schmusetieren und Puppen zum bereits 19. Mal ins “Teddybär-Krankenhaus Wien”. Mit Hilfe der kleinen Assistenzärzte wurden die Kuscheltiere in den Ambulanzen untersucht, fachkundig behandelt und sogar operiert. Auch ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres und Anita Rieder, Vizerektorin der MedUni Wien, durften beim Röntgen oder bei Operationen mithelfen. (MedUni Wien, 16.12.2019)

Psychische Krankheiten sind bedauerlicherweise noch immer mit einer Stigmatisierung der Betroffenen verbunden. Diese Diagnose dem Arbeitgeber im Krankenstandsfall bekanntgeben zu müssen, könnte zu einer Tabuisierung psychischer Erkrankungen führen. Der ÖBVP schließt sich daher den Bedenken der ÖÄK und des Gewerkschaftsbundes hinsichtlich einer geplante Bekanntgabepflicht über die Ursache des Krankenstandes an. (Österreichische Bundesverband für Psychotherapie, 16.12.2019)

Laut Eurostat geben Österreichs Konsumenten nur rund 9,7 % ihres verfügbaren Haushaltsbudgets für Lebensmittel aus. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich auf dem viertletzten Platz. Dabei hätte Österreich den EU-weit höchsten Bio-Anteil im Lebensmittelhandel. (Handelsverband, 16.12.2019)

Schweiz

Der Pharmakonzern Novartis verzichtet auf ein Patent von Kymriah, einer Behandlung von Blutkrebs, die pro Patient über 300.000 € kosten würde. Die Nichtregierungsorganisationen Ärzte der Welt und Public Eye hatten Anfang Juli bei Europäischen Patentamt Einspruch gegen das Patent erhoben. Die Organisationen wollten dadurch darauf aufmerksam machen, wie Pharmafirmen das Urheberrecht ausnutzen, um sich ein Monopol auf lebenswichtige Arzneimittel und Therapien zu verschaffen. So könnten sie Preise relativ willkürlich festlegen und dadurch die Budgets der europäischen Gesundheitssysteme unter enormen Druck setzen. (Ärzte der Welt, 16.12.2019)

Kymriah ist eine sog. CAR-T-Zell-Therapie zur Behandlung von Blutkrebs bei jungen Menschen bis zu 25 Jahren. Dabei werden sog. T-Lymphozyten der Patient*innen genetisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen können. (Ärzte der Welt, 16.12.2019)

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