Nehmen Frauen die Pille mangels Aufklärung ?

Wie nun die weltweit größte Verhütungsstudie „Tanco Report 2017“ enthüllte, kennen Frauen in Deutschland weniger Verhütungsmethoden als gedacht. Will heißen, im Schnitt nur 6 von 15 Methoden. Und gar 60 % aller verhütenden Damen könnten sich vorstellen auf eine Langzeitmethode zu wechseln, wenn sie darüber mehr wüssten. So komme es also, dass sich 61 % der Frauen gleichsam aus Gewohnheit ihr Pillenrezept in der Arztpraxis abholen. Und beim Frauenarzt findet laut dem Tanco Report 2017 „offenbar keine ausreichende Beratung über Langzeitmethoden“ statt.

Zahlen von 2015: Wo bleibt der Verhütungsfortschritt? (Infografik: obs / Jenapharm)

Der Grund klingt so überraschend wie plausibel: Die Ärzte schätzen das Wissen ihrer Patientinnen höher ein und das Informationsbedürfnis niedriger, als es tatsächlich ist. Laut dem Report 2017 sei das Wissen über die Wirkungsweise einzelner Methoden sogar „mehr als lückenhaft“. Nur 47 % der Kombipillen-Verwenderinnen wüssten, dass diese Methode den Eisprung verhindert. Und gerade einmal 14 % aller befragten Frauen sind darüber informiert, dass das Verhütungsschirmchen keine Östrogene enthält. Schlechte Kommunikation, wenig Eigeninitiative und Macht der Gewohnheit lauten die Gründe, warum es bei der Verhütung in Deutschland nicht mehr Vielfalt gibt.

„Und das, obwohl die Pille unverändert pannenanfällig ist“, wie die Studienleiterin Patricia Oppelt weiß. „Fast die Hälfte der Anwenderinnen hat die Pilleneinnahme in den letzten 3 Monaten mindestens einmal vergessen und jede 4. Frau musste schon einmal die “Pille danach” einnehmen.“ Wie gesagt, scheint eine Ursache des Informationsdefizits in Sachen Verhütung in einer mangelnden Arzt-Patientinnen-Kommunikation zu liegen. Dafür werden auch aussagekräftige Zahlen geliefert. So glauben die befragten Gynäkologen, dass Langzeitverhütung nur für 18 % der Frauen eine Option ist. Tatsächlich aber betrage diese Zahl mindestens 60 %.

Schreibe einen Kommentar