NDR Fernsehen: Apotheken verkaufen auch überflüssige Medikamente

Für deutsche Apotheken ist laut Apothekenbetriebsordnung von 2012 eine ausführliche Kundenberatung sogar Pflicht. Werden die Temperaturen kälter, so fürchten sich viele Menschen vor einer Erkältung und wünschen sich dann starke Abwehrkräfte. Wer dann allerdings in eine Apotheke geht, wird oft schlecht beraten und erhält sogar überflüssige Medikamente. Das ergab eine Stichprobe des Wirtschafts- und Verbrauchermagazins “Markt” im NDR Fernsehen. Das “erschreckende” Ergebnis: Fast alle getesteten Apotheken machten ein gutes Geschäft und zwar ohne Rücksicht auf den Patienten. Mediziner und Pharmakologen seien darum “entsetzt”.

Erkältungen im 4. Quartal 2015 in Deutschland. (Infografik: obs / Wissenschaftliches Institut der AOK / AOK-Mediendienst)

“Markt” testete mit der immer gleichen Frage die Beratung in 10 Apotheken: “Ich bin gesund, möchte mich aber in der Erkältungszeit vor einer Ansteckung schützen.” Das Ergebnis: 9 Apotheken verkauften Präparate zum Schutz vor einer Erkältung und zur Stärkung des Immunsystems. Hingegen rät Martin Scherer von der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf von solchen Mitteln zur Prophylaxe ab: “Bei einer Erkältung hat man es mit einer Vielzahl von Viren zu tun. Dabei das Immunsystem unspezifisch stimulieren zu wollen, ist nicht sinnvoll.” Bei den Testkäufen wurden pro Apotheke zwischen 6,75 und knapp 50 € fällig.

Geld, das man sich sparen könnte. “Oft hat ein Verkauf solcher Produkte mit dem Immunsystem wenig zu tun und ist meistens nur Geschäftemacherei”, kritisiert der Pharmakologe Gerd Glaeske das Vorgehen der Apotheken. In 7 von 10 Apotheken wurden auch Nahrungsergänzungen für Kinder verkauft. Nur eine Apotheke hat in der “Markt”-Stichprobe gar nichts verkaufen wollen, sondern die normalen Regeln einer gesunden Lebensweise empfohlen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. (ABDA) meinte zu der “Markt”-Analyse, dass bei rund 20.000 Apotheken mit 150.000 Mitarbeitern und etwa 3,6 Mio. Patientenkontakten täglich natürlich nicht alle Beratungsfälle “zur vollsten Zufriedenheit” verlaufen könnten.

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