“Austherapiert” als Todesurteil

„Austherapiert“ ist ein offizieller Begriff der Schulmedizin. Durfte ich soeben in einer Mitteilung meiner zuständigen Ärztekammer lesen. Austherapiert heißt: Da kann man nichts mehr machen. Der Patient ist sozusagen zum Tode verurteilt. Schlicht Menschen verachtend. Da erheben sich Ärzte zu Göttern in Weiß und bestimmen über Leben und Tod.

Universitätsmedizin, wie ich sie 17 Jahre erlernt und mitgetragen habe, rühmt sich eines wissenschaftlichen Gedankengebäudes. In den letzten Jahren geronnen und zementiert in Leitlinien. Vorschriften, nach denen wir Ärzte die Behandlung auszurichten haben. Vorschriften, die sich stützen auf unzählige (Schrott-)Studien.

Solche (evidenzbasierten) Leitlinien sind zur Basis der deutschen Medizin geworden. Der Universitätsmedizin. Einer Resignationsmedizin? Jeder Arzt bekommt solche Gebrauchsanleitungen in die Hand, wie er die Therapie zu gestalten hat. Bringt allerdings Rechtssicherheit bei juristischen Klagen. Die Leitlinien gelten!

Leider sind diese Leitlinien aber so grauenvoll falsch !

So eindeutig unrichtig. Lassen den Menschen oft nicht einmal die Chance einer Spontanheilung. Sogar diese wird dem Patienten weggenommen: „Sie sind austherapiert“ steht für tiefste Hoffnungslosigkeit. Beispiel gefällig? Schreibt mir eine Patientin, die eine tiefere Einsicht hat als offenbar viele behandelnden Ärzte:

Sehr verehrter Herr Dr. Strunz ! Ich durfte von Ihnen schon sehr viel lernen und konnte meinen Mann, dank Ihnen, sehr gut durch einen Schlaganfall bringen. Die Ärzte im Krankenhaus meinten: Austherapiert, da geht nichts mehr ! Das war 2007. Mein Mann saß im Rollstuhl und hatte arge Depressionen … Heute ist er wieder ein quietschfideler Mensch, energiegeladen und durch und durch aktiv. So viel zu austherapiert.

„Austherapiert“ ist wohl das Schlimmste, was Ärzte den leidenden Mitmenschen antun können. Ist Resignationsmedizin und per Eid schlichtweg verboten. Die Schulmedizin tut’s trotzdem. Hab’s schriftlich vor mir liegen …

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